Was wird aus der Junggesellenklausel bei der 1%-Regelung?

 - 

Ein alleinstehender Unternehmer mit mehreren Betriebs-Pkw muss nur für ein Fahrzeug einen Privatanteil versteuern. Doch immer  mehr Finanzämter ignorieren diese Vereinfachungsregel der Finanzverwaltung zugunsten der Selbstständigen. Wenn Sie betroffen sind, sollten Sie Einspruch einlegen.

Eigentlich muss ein Unternehmer für alle Fahrzeuge, die zu mehr als 50% betrieblich genutzt werden und für die kein Fahrtenbuch geführt wird, einen Privatanteil nach der 1%-Methode versteuern, also monatlich 1% des Listenpreises. Zum Glück gibt sich aber der Fiskus (bisher) mit dem Privatanteil für "nur" ein Fahrzeug zufrieden, wenn ein alleinstehender Unternehmer glaubhaft machen kann, dass außer ihm niemand die Fahrzeuge im Betriebsvermögen privat nutzt. Allerdings wird in diesem Fall bei der Ermittlung des Privatanteils das Auto mit dem höchsten Listenpreis herangezogen. Diese Vereinfachungsregel der Finanzverwaltung zugunsten Selbstständiger nennt man auch Junggesellenklausel (BMF-Schreiben vom 21.2.2002, BStBl 2002 I S. 148).

Aber von dieser Junggesellenklausel gehen offensichtlich immer mehr Finanzämter ab: Wird kein Fahrtenbuch geführt, so berechnen sie für jeden vorhandenen Betriebs-Pkw, bei dem eine betriebliche Nutzung von über 50% feststeht, einen Privatanteil in Höhe von monatlich 1% des Listenpreises. Das führt dann zu einer sehr hohen Steuerbelastung. Gerade diese Übermaß-Besteuerung sollte durch die Vereinfachungsregel verhindert werden.

Die Finanzgerichte sehen sich durch die begünstigende Verwaltungsanweisung nicht gebunden. Sie steht ihrer Auffassung nach nicht mit dem eindeutigen Gesetzeswortlaut in Einklang. Selbst wenn der Unternehmer immer nur mit einem Fahrzeug fahren könne, so würden doch durch das Halten mehrerer Autos hohe Kosten verursacht, vor allem Abschreibung, Kfz-Steuer und Versicherung. Und die erhöhten Kosten müssten sich in einem höheren Privatanteil niederschlagen (FG Münster, Urteil vom 29.4.2008, Az. 6 K 2405/07E, EFG 2008 S. 1275).

Steuertipp
Falls das Finanzamt von Ihnen als Alleinnutzer für jedes betriebliche Fahrzeug einen privaten Nutzungswert versteuern will, sollten Sie sich an die zuständige Oberfinanzdirektion wenden. Wenn das nicht hilft, verweisen Sie auf das BMF-Schreiben und das zu dieser Frage anhängige Verfahren, legen Sie Einspruch ein und beantragen Sie das Ruhen des Verfahrens. Denn nun muss der BFH entscheiden, ob die Verwaltungsregelung mit dem Gesetz vereinbar ist (Az. des BFH: VIII R 24/08).

Produkt-Tipp:
Das Steuertipps-Fahrtenbuch - Passt in jedes Handschuhfach!

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.