Kippt die Junggesellenklausel bei der 1%-Regelung?

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Für Fahrzeuge, die mehr als 50% betrieblich genutzt werden und für die kein Fahrtenbuch geführt wird, wird ein Privatanteil nach der 1%-Methode versteuert. Dabei gibt sich der Fiskus mit dem Privatanteil für nur ein Fahrzeug zufrieden, wenn der Unternehmer glaubhaft machen kann, dass nur er die Fahrzeuge privat nutzt (Junggesellenklausel).

Allerdings wird dann bei der Ermittlung des Privatanteils das Fahrzeug mit dem höchsten Listenpreis herangezogen. Die sogenannte Junggesellenklausel ergibt sich nicht aus dem Gesetz selbst, sondern aus einer Verwaltungsanweisung (BMF-Schreiben vom 21.2.2002).

Doch jetzt steht diese Vereinfachungsregel zugunsten alleinstehender Unternehmer auf dem Prüfstand. Ein Finanzbeamter hatte sie ignoriert und bei einem Versicherungsmakler mit drei Betriebs-Pkw (BMW 750i, Porsche 911 Carrera und Porsche Cayenne S) entgegen dem BMF-Schreiben für jedes Fahrzeug einen Privatanteil nach der 1%-Methode angesetzt. Das Finanzgericht Münster gab ihm Recht (FG Münster, Urteil vom 29.4.2008, Az. 6 K 2405/07 E).

Begründung: Die Junggesellenklausel stehe nicht mit dem Gesetz in Einklang. Deshalb seien weder die Finanzämter noch die Gerichte daran gebunden. Selbst wenn der Unternehmer immer nur mit einem Fahrzeug fahren könne, so würden doch durch das Halten mehrerer Autos hohe Kosten entstehen (Abschreibung, Steuer, Versicherung), die sich in einem höheren Privatanteil niederschlagen müssten. Nun muss der BFH entscheiden, ob die Verwaltungsregelung mit dem Gesetz vereinbar ist oder nicht (Az. des BFH: VIII R 24/08).

Steuertipp

Falls das Finanzamt von Ihnen als Alleinnutzer für jedes betriebliche Fahrzeug einen privaten Nutzungswert versteuern will, sollten Sie sich an die zuständige Oberfinanzdirektion wenden. Hilft das nicht, verweisen Sie auf das anhängige Verfahren und das BMF-Schreiben und beantragen Sie Ruhen des Verfahrens.

Anderer Ausweg: Wenn Sie glaubhaft machen können, dass ein Betriebs-Pkw zu weniger als 50% betrieblich genutzt wird, darf das Finanzamt seit 2006 nicht mehr den Privatanteil nach der 1%-Regelung ermitteln. Der Anteil der durch die private Nutzung entstandenen Kosten muss dann geschätzt werden.

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