FG München: Kein Privatanteil nach 1%-Methode für Werkstattwagen

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Für einen als Werkstattwagen eines Handwerkers eingerichteten Ford Transit muss kein Privatanteil nach der 1%-Methode versteuert werden.

Zum Betriebsvermögen eines selbstständigen Malermeisters gehörten ein Mercedes Pkw, ein Ford Transit sowie ein Mercedes Espania (Transporter). Der Unternehmer hatte kein Fahrtenbuch geführt und nur für den Mercedes Pkw einen Privatanteil nach der 1%-Regelung versteuert. Zum Haushalt gehörten die Ehefrau und der volljährige Sohn. Im Privatvermögen befand sich kein Fahrzeug.

Nach einer Betriebsprüfung für die Jahre 2004 bis 2006 setzte das Finanzamt für den Ford Transit einen weiteren pauschal ermittelten Privatanteil an in Höhe von 3.000 Euro jährlich (12% des Listenpreises von 25.000 Euro). Dagegen klagte der Maler. Beim Finanzgericht München bekam er zumindest teilweise Recht.

Die Richter entschieden, dass für den Ford Transit kein Privatanteil zu versteuern sei. Begründung: Nach Beschaffenheit und Einrichtung sei dieses Fahrzeug als Werkstattwagen so gut wie ausschließlich zur Beförderung von Gütern bestimmt (FG München, Urteil vom 19.5.2010, Az. 10 K 152/09). Dafür sprachen folgende Argumente:

  • Das Fahrzeug hatte nur zwei zugelassene Sitzplätze;
  • Zwischen Fahrgastraum und Fondsbereich war eine fahrzeughohe Trennwand angebracht;
  • Die Ladefläche war doppelt so lang wie der Fahrgastraum;
  • Vom zulässigen Gesamtgewicht her war das Fahrzeug auf den Lastentransport ausgerichtet;
  • Der Fondsbereich hatte nur ein Seitenfenster, das mit Werbung beklebt war;
  • Die Innenausstattung des Ladebereichs mit offenen Kabeln und Bretterverkleidung deutete darauf hin, dass der Transport von Arbeitsmaterial im Vordergrund stand.

Dafür aber setzten die Richter zusätzlich für den Mercedes Espania einen Privatanteil in Höhe von 1.800 Euro pro Jahr an (12% des geschätzten Listenpreises von 15.000 Euro). Entscheidend dafür waren die zwei Sitzreihen, zwei große Seitenfenster im Fondsbereich sowie die geringere Nutzlast. Und natürlich die Tatsache, dass drei erwachsenen Familienangehörigen mit Führerschein kein einziges privates Auto zur Verfügung stand. Die Verschmutzung des Fahrzeugs sah das Gericht übrigens nicht als hinderlich für eine Privatnutzung an: Zwar könne man mit dem Pkw wohl nicht ins Theater fahren, aber doch Fahrten zu Freizeitzwecken oder zu Einkäufen unternehmen. Per Saldo hatte der Malermeister durch seine Klage immerhin pro Jahr den Gewinn um 1.200 Euro senken können.

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