Systemadministrator und Systementwickler: gewerbliche Tätigkeit?

 - 

Das jedenfalls meinen die Finanzgerichte Berlin-Brandenburg und Hessen. Die betroffenen Selbstständigen wehren sich gegen diese Einordnung. Lesen Sie hier, warum sich das lohnen kann!

Ein Netzwerk- und Systemadministrator erzielt gewerbliche Einkünfte. Das gilt auch dann, wenn er über einen Abschluss als Diplom-Ingenieur verfügt (hier: Diplom-Ingenieur (BA), Fachrichtung Technische Informatik). Grund: Wichtig ist weniger die formale Qualifikation des Selbstständigen, sondern vielmehr die konkrete Art der Tätigkeit. Und bei der handelt es sich hier nicht um "ingenieurmäßige Entwicklung von System- oder Anwendersoftware" (FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 21.8.2007, Az. 6 K 1791/05, EFG 2007 S. 1884; Az. der Revision: VIII R 31/07).

Ein Systementwickler ohne Diplom-Abschluss wurde vom Finanzamt als Gewerbetreibender eingestuft. Der Selbstständige hielt dagegen: Die Qualität und Tätigkeit als seiner Arbeit entspreche der eines Ingenieurs bzw. eines Informatikers, sein Wissen sei mit dem eines Wirtschaftsinformatikers vergleichbar. Aus den Projektbeschreibungen gehe hervor, dass er in den Bereichen des Entwurfs, der Auswahl, Bereitstellung Implementierung, Überwachung, Optimierung und Fortentwicklung der eingesetzten Hardware- und Softwarekomponenten sowie in der Beratung und Unterstützung tätig sei, die nach der Rechtsprechung des BFH zur Systemtechnik gehören.

Ein Sachverständiger meinte jedoch, weder die Ausbildung als Datenverarbeitungskaufmann noch Literaturstudium oder Arbeitsproben ließen erkennen, dass die Kenntnisse des Systementwicklers denjenigen eines Fachhochschulabsolventen entsprechen. Eine Wissensprüfung wurde daraufhin gar nicht erst zugelassen (FG Hessen, Urteil vom 11.7.2007, Az. 8 K 1148/02; Az. der Revision: VIII R 27/07).

Hintergrund:

Freiberufler genießen im Steuerrecht Vorteile und werden gegenüber Gewerbetreibenden auf verschiedenen Gebieten bevorzugt: Sie zahlen keine Gewerbesteuer, dürfen bei der Umsatzsteuer die Istbesteuerung anwenden und müssen nicht bilanzieren.

Bei der Definition hebt die Rechtsprechung auf einige typische Merkmale ab. Nachdem sich im Lauf der Jahre frühere Berufsbilder aufgelöst haben und zahlreiche neue Berufe entstanden sind, wird die Abgrenzung zwischen freiem Beruf und gewerblicher Tätigkeit zunehmend schwieriger. Die vielen gerichtlichen Auseinandersetzungen sind Ausdruck dieses rechtspolitischen Problems.

Weitere News zum Thema

  • Gründungszuschuss und Beginn der Selbstständigkeit: Jeder Tag zählt

    [] Wer arbeitslos ist und sich selbstständig machen will, kann bei der Agentur für Arbeit einen Gründungszuschuss beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass der Existenzgründer bei Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit noch einen Restanspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 90 (seit 2012: 150) Tagen hat. Und bei dieser Rechnung kommt es auf jeden Tag an. mehr

  • Bundesfinanzhof verschafft Existenzgründern einen Steuervorteil

    [] Selbstständige, die bereits im Jahr vor der Betriebseröffnung einen Investitionsabzugsbetrag für die Anschaffung eines Wirtschaftsgutes bilden möchten, können sich über ein neues BFH-Urteil freuen. Danach hängt die Bildung der Rücklage nicht von der Bestellung des Gegenstandes ab. mehr

  • Ist ein Franchisenehmer rentenversicherungspflichtig?

    [] Immer mehr Selbstständige unterliegen per Gesetz der Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung. Die wirtschaftliche Belastung eines Selbstständigen durch die Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung ist enorm. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.