Selbstständige Aerobictrainerin ist rentenversicherungspflichtig!

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Der Grund: Sie ist Lehrerin im Sinne von § 2 Satz 1 Nr. 1 SGB VI. Wichtig: Die Rentenversicherungspflicht entsteht dabei unabhängig von der Zahl der Auftraggeber! Lesen Sie hier, wie Sie die Versicherungspflicht trotzdem vermeiden können.

Im entschiedenen Fall ging es um eine Studentin, die für sechs verschiedene Fitness-Center Aerobickurse veranstaltete und leitete (BSG, Urteil vom 27.9.2007, Az. B 12 R 12/06 R). Während andere Selbstständige der Rentenversicherungspflicht entgehen, sobald Sie für mehr als einen Auftraggeber arbeiten, sind die Voraussetzungen bei Lehrern und Erziehern anders:

Hier kommt es nicht auf die Zahl der Auftraggeber, sondern nur auf die Zahl der Mitarbeiter an! Selbstständige Lehrer und Erzieher unterliegen der Rentenversicherungspflicht, wenn sie keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen. Sobald ein selbstständiger Lehrer einen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigt, entgeht er also der Rentenversicherungspflicht. Begründung: Ein Selbstständiger, der einen Arbeitnehmer beschäftigt, kann für sich selbst sorgen und bedarf keiner Zwangsabsicherung durch die gesetzliche Rentenversicherung.

Ein versicherungspflichtiger Arbeitnehmer kann beispielsweise sein:

  • ein Student mit einem Monatslohn von 410 Euro;
  • ein Auszubildender;
  • ein normaler Angestellter mit einem Gehalt innerhalb der Gleitzone (höher als 400 Euro);
  • ein zu üblichen Bedingungen beschäftigter Familienangehöriger;
  • der Bezieher einer Vollrente wegen Alters (§ 5 Abs. 4 Nr. 1 SGB VI) oder von Versorgungsbezügen (§ 5 Abs. 4 Nr. 2 SGB VI), obwohl diese Arbeitnehmer keinen Rentenversicherungsbeitrag zahlen müssen.

Es nützt nichts, wenn Sie einen versicherungsfreien Mini-Jobber mit einem monatlichen Arbeitslohn bis zu 400 Euro beschäftigen - sogar wenn der Mini-Jobber auf die Versicherungsfreiheit verzichtet hat und selbst Versicherungsbeiträge zahlt. Es hilft auch nichts, wenn Sie mehrere Mini-Jobber haben, die mit ihrem monatlichen Arbeitslohn insgesamt nicht über die Grenze von 400 Euro kommen.

Steuertipp
Nach dem Kommentar der DRV Bund zu § 2 Satz 1 Nr. 1 und 2 SGB VI entfällt die Versicherungspflicht des selbstständigen Lehrers sogar dann, wenn er mehrere geringfügig Beschäftigte (Mini-Jobber) hat, deren monatlicher Arbeitslohn insgesamt die Geringfügigkeitsgrenze des § 8 SGB IV von 400 Euro übersteigt. Begründung: Dadurch wird in der Gesamtheit ein versicherungspflichtiger Arbeitnehmer ersetzt.

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