Nach Betriebsveräußerung als freier Berater tätig: Entwarnung

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Beim Verkauf eines Gewerbebetriebs wird oft vereinbart, dass der frühere Betriebsinhaber noch eine Weile als freier Mitarbeiter in beratender Funktion tätig ist. Das war bisher eine gefährliche Gratwanderung. Denn es gab noch keine höchstrichterliche Entscheidung darüber, ob dem Unternehmer durch diese Gestaltung möglicherweise die Steuervorteile für seine Betriebsaufgabe verloren gehen.

Nun liegt die erfreuliche Entscheidung vor und viele dürfen aufatmen (BFH, Urteil vom 17.7.2008, Az. X R 40/07). Der BFH hat mit diesem Urteil seine Rechtsprechung zur steuerbegünstigten Übertragung einer Freiberufler-Praxis auf den Verkauf eines Gewerbebetriebs ausgedehnt. Danach ist es unschädlich, wenn der Verkäufer des Betriebs aufgrund eines Beratervertrages mit dem Erwerber entweder nicht selbstständig oder als freier Mitarbeiter im Betrieb weiterhin tätig ist. Das gilt jedoch nur dann, wenn er seine Dienstleistungen nicht mehr gegenüber den früheren Kunden erbringt, sondern auf völlig neuer Basis ausschließlich gegenüber dem Erwerber seines Betriebs.

Steuertipp
Freiberufler dürfen nach der bisherigen Rechtsprechung des BFH sogar bei ihrem Praxisverkauf einzelne Mandate zurückbehalten, ohne dadurch die Steuervorteile der Betriebsaufgabe zu verlieren. Voraussetzung: Auf diese Mandate, die der Freiberufler weiterhin auf eigene Rechnung abwickelt, ist in den letzten drei Jahren weniger als zehn Prozent des Umsatzes entfallen.

Da im entschiedenen Fall der Verkäufer alle wesentlichen Betriebsgrundlagen einschließlich des ganzen Kundenstamms auf den Erwerber übertragen hatte, konnte das Gericht auf diese Frage leider nicht eingehen. Wegen des großen steuerlichen Risikos sollte daher eine Gestaltung vermieden werden, bei der Verkäufer einen Teilbereich vom Verkauf ausklammert und für sich zurückbehält. Denn damit hat er seine bisherige unternehmerische Tätigkeit nicht vollständig eingestellt.

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