Kleinunternehmerregelung ausnahmsweise auch rückwirkend anwendbar

 - 

Geht ein Existenzgründer von einem hohen Umsatz bereits im Jahr der Betriebseröffnung aus, muss er auf die Kleinunternehmerregelung verzichten. Doch diese Entscheidung ist nicht immer bindend.
War die Umsatzprognose überzogen und beruhte auf unrealistischen Annahmen, kann eine Befreiung von der Umsatzsteuer auch rückwirkend gewährt werden.

Nach der Kleinunternehmer-Regelung wird Umsatzsteuer nicht erhoben, wenn der Umsatz zzgl. Steuern im vorangegangenen Kalenderjahr 17.500 Euro nicht überstiegen hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird.

Der Fall: Ein Arbeitsloser eröffnete 2006 einen Fernsehreparaturdienst. Um die staatliche Förderung für Existenzgründer zu erhalten, ließ er einen Businessplan aufstellen. Er schätzte den Gesamtumsatz für das erste Geschäftsjahr auf 45.000 Euro und im zweiten auf 50.000 Euro. Dieses Prognose nutzte auch das Finanzamt, um den Betrieb einzustufen. Hätte sich die Erwartung erfüllt, wäre die Kleinunternehmerregelung nicht infrage gekommen. Deshalb führte der Neu-Unternehmer Umsatzsteuer an das Finanzamt ab.

Tatsächlich lief das Geschäft deutlich schlechter. Der Umsatz betrug 2006 nur 13.315 Euro. Der Existenzgründer beantragte deshalb nachträglich die Anwendung der Kleinunternehmerregelung und die Erstattung der bereits gezahlten Umsatzsteuerbeträge. Das Finanzamt lehnte ab. Die ursprüngliche Prognose sei bindend.

Falsch, urteilte das Finanzgericht Düsseldorf. Grundsätzlich sei der Unternehmer zwar an seine Prognose gebunden. Dies gelte jedoch ausnahmsweise nicht bei einer überzogen optimistischen Planung. Im vorliegenden Fall hätten dem Businessplan unrealistische Annahmen zugrunde gelegen (Urteil des FG Düsseldorf vom 20.6.2008, Az. 1 K 3124/07 U).

Weitere News zum Thema

  • Gründungszuschuss und Beginn der Selbstständigkeit: Jeder Tag zählt

    [] Wer arbeitslos ist und sich selbstständig machen will, kann bei der Agentur für Arbeit einen Gründungszuschuss beantragen. Voraussetzung dafür ist, dass der Existenzgründer bei Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit noch einen Restanspruch auf Arbeitslosengeld von mindestens 90 (seit 2012: 150) Tagen hat. Und bei dieser Rechnung kommt es auf jeden Tag an. mehr

  • Bundesfinanzhof verschafft Existenzgründern einen Steuervorteil

    [] Selbstständige, die bereits im Jahr vor der Betriebseröffnung einen Investitionsabzugsbetrag für die Anschaffung eines Wirtschaftsgutes bilden möchten, können sich über ein neues BFH-Urteil freuen. Danach hängt die Bildung der Rücklage nicht von der Bestellung des Gegenstandes ab. mehr

  • Ist ein Franchisenehmer rentenversicherungspflichtig?

    [] Immer mehr Selbstständige unterliegen per Gesetz der Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung. Die wirtschaftliche Belastung eines Selbstständigen durch die Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung ist enorm. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.