Diplom-Ingenieur-Ökonom: Anerkennung als Freiberufler!

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Der Fall: Zwei Diplom-Ingenieur-Ökonomen schlossen sich zu einer GbR zusammen. Beide hatten ein Studium zum Diplom-Ingenieur-Ökonom in der DDR abgeschlossen. Sie arbeiteten als Bauleiter für eine Fertighausfirma und wirkten bei der Auftragsvergabe, Objektüberwachung und -betreuung sowie der Dokumentation und Überwachung der Mängelbeseitigung mit. In die Planung der Fertighäuser waren sie nicht involviert.

Das Finanzamt ging von Einkünften aus Gewerbebetrieb aus. Dagegen wehrten sich die Gesellschafter mit dem Argument, ihre Tätigkeit sei der eines Architekten und eines Ingenieurs ähnlich.

Das Urteil: Der BFH bestätigte eine ingenieur-ähnliche Tätigkeit. Denn die Gesellschafter durften erstens die Bezeichnung »Ingenieur« führen, zweitens gehört die Bauleitung zu den Hauptgebieten des Ingenieurwesens.

Neu: Die konkret ausgeübte Tätigkeit hat hier kein konstruierendes Element. Das hatte der BFH für die Anerkennung des ingenieur-ähnlichen Berufs bisher noch gefordert (z.B. BFH, Urteil vom 5.6.2003, Az. IV R 34/01).


Die Konsequenz: Mit diesem Urteil verfolgt der BFH weiter eine »Lockerungstendenz« bezüglich der Voraussetzungen des § 18 EStG. Die Messlatte für die Anerkennung als Freiberufler wird weniger hoch gehängt: Jetzt muss der Freiberufler, der eine »ähnliche Tätigkeit« ausübt, nicht mehr umfassende Kenntnisse auf dem gesamten Gebiet der anerkannten freiberuflichen Tätigkeit nachweisen. Es reicht aus, wenn er sich in einem der Kerngebiete des Katalogberufs besonders gut auskennt (BFH, Urteil vom 6.9.2006, Az. XI R 3/06, BFH/NV 2007 S. 129).


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