Aufbau einer Oldtimer-Sammlung ist ein Hobby

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Der Aufbau einer Oldtimer-Sammlung ist keine unternehmerische Tätigkeit, sondern steuerlich als Liebhaberei einzustufen, entschied der BFH. Das bedeutet für den Sammler: kein Vorsteuerabzug.

Der Fall: Eine 1986 gegründete GmbH kaufte 126 Fahrzeuge – einige davon waren Oldtimer, überwiegend handelte es sich aber um hochwertige Neufahrzeuge. Gesellschaftszweck der GmbH war es, die Fahrzeuge nach einer Einlagerung von 20 bis 30 Jahren zu verkaufen, wobei man natürlich von einer deutlichen Wertsteigerung ausging. Die Fahrzeuge wurden in einer extra angemieteten Tiefgarage museumsartig eingelagert. Der Verkauf erfolgte allerdings bereits sechs Jahre später und mit einem deutlichen Verlust: Bei einem Buchwert von ca. 7,4 Mio. DM wurden die Fahrzeuge für nur ca. 3,2 Mio. DM verkauft. Das Finanzamt ließ die Vorsteuer aus den Anschaffungskosten sowie den Unterhaltskosten nicht zum Abzug zu. Insgesamt ging es dabei um etwa 3,5 Mio. DM.

Das Finanzgericht stand noch auf der Seite der Unternehmer: Beim Aufbau der Oldtimersammlung mit dem Ziel, die Fahrzeuge später gewinnbringend zu verkaufen, handle es sich um eine wirtschaftliche Tätigkeit, urteilten die Finanzrichter. Die Tätigkeit sei zwar hochspekulativ und nur aufgrund des hohen Kapitaleinsatzes des Mehrheitsgesellschafters möglich, aber es sei eben trotzdem eine unternehmerische Tätigkeit, für die es auch Vorsteuerabzug gebe.

Anders urteilte jetzt der BFH: Voraussetzung für den Vorsteuerabzug ist, dass Gegenstände oder Dienstleistungen für eine unternehmerische Tätigkeit bezogen werden. Kann ein Gegenstand sowohl zu wirtschaftlichen als auch zu privaten Zwecken verwendet werden, sind alle Umstände seiner Nutzung zu prüfen, um festzustellen, ob er tatsächlich zur nachhaltigen Erzielung von Einnahmen verwendet wird.

Entscheidend ist daher, ob die Tätigkeit nach der Verkehrsanschauung einer wirtschaftlichen Tätigkeit und nicht einer privaten Sammlertätigkeit oder Vermögensverwaltung entspricht. Auch einem Briefmarkensammler oder Münzsammler kommt es auf eine langfristige Wertsteigerung an.

Wann ist Sammeln unternehmerisch?

Eine unternehmerische Betätigung liegt bei der Veräußerung einer Sammlung nur vor, wenn sich der Steuerpflichtige auch bereits während des Aufbaus der Sammlung wie ein Händler verhält und nachhaltig An- und Verkäufe tätigt. Im vorliegenden Fall hat sich die GmbH weder hinsichtlich der Oldtimer noch der Neufahrzeuge "wie ein Händler", sondern wie ein privater Sammler verhalten. Sie hat daher keinen Anspruch auf Vorsteuerabzug, erklärten die BFH-Richter (Urteil vom 27.1.2011, Az. V R 21/09).

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