Arbeitslosenversicherung für Selbstständige: Voraussetzungen und Beitragsberechnung

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Wer eine selbstständige Tätigkeit aufnimmt oder ausübt, kann sich freiwillig gegen Arbeitslosigkeit versichern. Das gilt für alle Selbstständigen: Ob sie freiberuflich oder gewerblich tätig sind, spielt keine Rolle.

Voraussetzungen für Ihren Antrag

  • Sie müssen mindestens 15 Stunden pro Woche selbstständig tätig sein. Wenn diese Grenze gelegentlich unterschritten wird, schadet das nicht (§ 28a Abs. 1 Satz 2 SGB III).
  • Innerhalb der letzten 24 Monate vor Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit standen Sie mindestens 12 Monate in einem Versicherungspflichtverhältnis (Vorversicherungszeit). Einzelne kürzere Beschäftigungen dürfen dabei zusammengerechnet werden. Die erforderliche Vorversicherungszeit kann auch durch Zeiten der freiwilligen Weiterversicherung erfüllt werden (z.B. wenn ein Selbstständiger seine Tätigkeit aufgibt und später wieder aufnimmt).
    Oder Sie haben während dieser Zeit Entgeltersatzleistungen (z.B. Arbeitslosengeld I, Krankengeld, Mutterschaftsgeld) bezogen. Dabei gibt es keine Mindestdauer, sodass ein Tag Leistungsbezug innerhalb der Zweijahresfrist zur Erfüllung der Voraussetzungen genügt.

Die "Versicherungspflicht auf Antrag" in der Arbeitslosenversicherung setzt immer voraus, dass sich die selbstständige Tätigkeit unmittelbar an eine Beschäftigung als Arbeitnehmer anschließt (oder dass vor der selbstständigen Tätigkeit eine Entgeltersatzleistung bezogen wurde). Daher spricht man auch von einer Weiterversicherung. "Unmittelbar" bedeutet dabei eine Lücke von höchstens einem Monat.

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Berechnung der Beiträge

Die Beitragsberechnung erfolgt auf Grundlage der jeweils geltenden Bezugsgröße (§ 345b SGB III). Darauf wird der übliche Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung von (ab 2011) 3% erhoben.

Ausnahme für Existenzgründer:
Bis zum Ablauf von einem Kalenderjahr nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit werden nur 50 % der Bezugsgröße für die Beitragsberechnung zugrunde gelegt (§ 345b SGB III).

Übergangsregelung für 2011:
Vom 1.1.2011 bis 31.12.2011 wird bei allen bereits vor 2011 freiwillig Versicherten nur 50 % der Bezugsgröße für die Beitragsberechnung zugrunde gelegt, ab 2012 muss dann der volle Beitrag gezahlt werden (§ 434u Abs. 2 SGB III).

Die Beiträge trägt der Selbstständige allein (§ 349a SGB III). Eine Aufteilung in einen (fiktiven) Arbeitgeberanteil und einen Arbeitnehmeranteil gibt es nicht.

Beitragsberechnung für 2011

  alte Bundesländer neue Bundesländer
monatliche Bezugsgröße 2011 2.555 Euro 2.240 Euro
Beitragsbemessungsgrundlage
(50% der Bezugsgröße)
1.277,50 Euro 1.120 Euro
monatlicher Beitrag
(3% der Bemessungsgrundlage)
38,33 Euro 33,60 Euro

Für bereits vor dem 1.1.2011 freiwillig versicherte Selbstständige erhöht sich ab 2012 die Bemessungsgrenze, d.h., nach der Verdopplung des Beitrags im Jahr 2011 gegenüber dem Jahr 2010 verdoppelt sich der Beitrag 2012 ein weiteres Mal gegenüber 2011. Kurz gesagt: Sie zahlen 2012 viermal so viel Beitrag wie 2010 (vorausgesetzt, die Bezugsgröße bleibt gleich).

Wichtig!
Die Beiträge sind direkt an die Bundesagentur für Arbeit zu zahlen. Die Krankenkasse als Einzugsstelle für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag ist hier nicht zuständig! Der Beitrag ist jeweils am 1. des Monats fällig.

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