Wie wirkt sich ein Verlust auf den Schuldzinsabzug aus?

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Die Vorschrift zur Abzugsbeschränkung betrieblicher Schuldzinsen ist unklar, wenn statt eines Gewinnes ein Verlust erzielt wird. Nun kann endlich der BFH in einem anhängigen Verfahren dazu Stellung beziehen.

Eine der kompliziertesten Vorschriften im Einkommensteuergesetz ist die zur Abzugsbeschränkung betrieblicher Schuldzinsen (§ 4 Abs. 4a EStG). Sie soll verhindern, dass Unternehmer ihrem Betrieb höhere Mittel entnehmen als die Summe von Gewinn und Einlagen und dennoch alle Zinsen als Betriebsausgaben abziehen können. Doch diese Vorschrift ist undeutlich formuliert, und seit langem streiten die Fachleute darüber, wie die nicht abzugsfähigen Schuldzinsen im Falle eines Verlustes zu berechnen sind.

Ein betroffener Einzelhändler mit sehr hohem Verlust wollte den Einlagenüberschuss dieses Jahres nicht mit dem Verlust verrechnen, sondern direkt mit der Überentnahme des Vorjahres. Bei dieser Methode hätten sich keine nicht abzugsfähigen Schuldzinsen ergeben. Das Finanzamt folgte jedoch dem von der Finanzverwaltung empfohlenen Verfahren (BMF-Schreiben vom 22.5.2000, Tz. 11 bis 15). Es saldierte daher zunächst die Einlagen mit dem Verlust und erhöhte den Gewinn um nicht abzugsfähige Schuldzinsen von rund 5.000 Euro.

Dagegen klagte der Unternehmer. Das Gericht schloss sich jedoch der Auffassung des Finanzamts an (Finanzgericht Baden-Württemberg, Urteil vom 27.1.2009, Az. 11 K 4248/08, EFG 2009 S. 737).

Steuertipp
Die Frage, ob unter den Begriff des Gewinns auch ein Verlust fällt, spielt gerade jetzt eine große Rolle, wo viele Unternehmer rote Zahlen schreiben. Falls Sie von der Beschränkung des Schuldzinsabzugs betroffen sind und Sie Verluste erzielen, sollten Sie gegen eine ungünstige Berechnung des Finanzamts Einspruch einlegen und mit Hinweis auf die dazu anhängige Revision Ruhen des Verfahrens beantragen (Az. des BFH: X R 12/09).

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