Verfassungsgericht: Abzugsverbot bei Arbeitszimmern auf dem Prüfstand

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Erfreuliche Entwicklung beim häuslichen Arbeitszimmer: Das FG Münster hält die seit 2007 bestehende Rechtslage zumindest teilweise für verfassungswidrig und hat daher das Bundesverfassungsgericht eingeschaltet.

Angestellte und Selbstständige dürfen die Ausgaben für ihr häusliches Arbeitszimmer nur noch steuerlich geltend machen, wenn der Arbeitsraum Mittelpunkt der gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit ist.

Das weitgehende steuerliche Abzugsverbot hält das FG Münster für verfassungswidrig, wenn ein Steuerpflichtiger keinen anderen Arbeitsplatz außerhalb seines häuslichen Arbeitszimmers hat (Beschluss vom 8.5.2009, Az. 1 K 2872/08 E, DStR 2009, S. 1024). Denn dürfen in einem solchen Fall keine Arbeitszimmerkosten steuerlich berücksichtigt werden, liegt ein Verstoß gegen das verfassungsrechtlich geschützte Nettoprinzip vor. Danach darf nur das Einkommen besteuert werden, über das ein Steuerpflichtiger auch frei disponieren kann. Dazu gehören nicht die Einnahmen, die zur Finanzierung von Ausgaben beitragen, die zwangsläufig mit der Einkunftserzielung einhergehen.

Nun hat also das Bundesverfassungsgericht darüber zu entscheiden, ob der Gesetzgeber mit seinem strikten Abzugsverbot aus verfassungsrechtlicher Sicht zu weit gegangen ist.

Was können Sie tun, bis das Verfassungsgericht sein Urteil gefällt hat? Geben Sie unbedingt sämtliche Kosten Ihres Arbeitszimmers in Ihrer Steuererklärung an. Denn nur so können Sie von einer Entscheidung des Gerichts zugunsten der Steuerzahler profitieren. Lehnt Ihr Finanzamt den Ausgabenabzug dann ab, sollten Sie nachschauen, ob Ihr Steuerbescheid den folgenden Vorläufigkeitsvermerk enthält: "Anwendung der Neuregelung zur Abziehbarkeit der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6b EStG in der Fassung des Steueränderungsgesetzes 2007, § 9 Abs. 5 Satz 1 EStG)." Werden Sie fündig, können Sie sich einen Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid sparen. Der Bescheid bleibt dann hinsichtlich des Punktes "Abzug von Arbeitszimmerkosten" bis zur Entscheidung des Verfassungsgerichts offen.

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