Unterricht durch Versicherungsvertreter ist nicht freiberuflich

 - 

Werden Außendienstmitarbeiter durch einen Versicherungsvertreter betreut, der ihnen Fachkenntnisse vermittelt, liegen bei diesem nicht freiberufliche Einkünfte aus unterrichtender Tätigkeit vor, sondern gewerbliche Einkünfte.

Ein Versicherungsvertreter betreute als "Landesärztegeschäftsstellenleiter" die ihm unterstellten Außendienstler fachlich im Bereich der Heilberufe. Er informierte sie über Vertriebsstrategien und Produktinnovationen, führte Kommunikationstraining durch und unterstützte die Mitarbeiter beim Abschluss von Versicherungsverträgen. Dafür wurde er erfolgsabhängig bezahlt.

Sein Finanzamt ging von gewerblichen Einkünften aus. Das aber hätte für den Unternehmer nicht nur Zahlung von Gewerbesteuer bedeutet, sondern auch Buchführungspflicht. Der Versicherungsvertreter wehrte sich gegen die Einstufung als Gewerbetreibender und argumentierte, dass er unterrichtend tätig und damit Freiberufler sei.

Das Finanzgericht Münster kam jedoch zum Ergebnis, dass der Versicherungsvertreter Einkünfte aus Gewerbebetrieb erziele (FG Münster, Urteil vom 17.12.2010, Az. 4 K 3554/08 G). Zwar beinhalte seine Tätigkeit auch unterrichtende Elemente. Die Gesamttätigkeit werde dadurch aber nicht geprägt. Eine freiberufliche unterrichtende Tätigkeit setze ein Lehrer-Schüler-Verhältnis voraus, in dem Unterricht in einer institutionalisierten und organisierten Form erteilt wird. Seine Tätigkeit beschränkte sich nicht auf die abstrakte Vermittlung von Know-How, sondern umfasste auch die praktische Begleitung im Beruf. Daher gingen die Richter insgesamt von einer gewerblichen, beratenden Tätigkeit aus. Die umsatzabhängige Vergütung war nur noch ein weiteres Indiz für den gewerblichen Charakter.

Weitere News zum Thema

  • Bescheidkorrektur bei übersehenen Betriebsausgaben

    [] Wenn ein Selbstständiger erst nach Jahren bemerkt, dass er versehentlich Betriebsausgaben nicht geltend gemacht hat, kann er manchmal eine Korrektur des bereits bestandskräftigen Steuerbescheids erreichen, wie ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs zeigt. mehr

  • Überentnahmen: Kurzfristige Einlage nicht erlaubt

    [] Wenn Sie mehr aus dem Betriebsvermögen entnehmen, als Ihrem Betrieb zuvor durch Einlagen und Gewinne zugeführt worden ist, spricht man von einer Überentnahme. Für Schuldzinsen gilt dann: Soweit sie auf Überentnahmen beruhen, dürfen sie nicht abgezogen werden. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.