Übungsraum ist kein Arbeitszimmer

 - 

Das FG Köln stuft den häuslichen Arbeitsraum einer Berufsmusikerin als Betriebsstätte ein und ermöglicht dadurch den vollen Betriebsausgabenabzug.

Arbeitszimmer, die sich im privaten Wohnumfeld von Selbstständigen befinden, unterliegen erheblichen Abzugsbeschränkungen. Da Musiker ihren Tätigkeitsmittelpunkt gewöhnlich nicht in ihrem häuslichen Arbeitszimmer haben, scheidet der uneingeschränkte Betriebsausgabenabzug bei ihnen regelmäßig aus. Und auch der eingeschränkte Kostenabzug ist nur in Höhe von maximal 1.250 Euro möglich, wenn kein auswärtiger Arbeitsplatz vorhanden ist. Daher ist es meist von Vorteil, wenn ein Arbeitsraum nicht als Arbeitszimmer, sondern zum Beispiel als Betriebsstätte eingestuft wird. Der Betriebsausgabenabzug ist dann stets in vollem Umfang zulässig.

Eine Berufsmusikerin hatte sich in ihrer Wohnung ein Übungszimmer eingerichtet. In dem Zimmer befanden sich Musikinstrumente (Flügel, Klarinetten und Bratsche), Regale zur Aufbewahrung von Noten sowie ein kleiner Tisch. Den Tisch nutzte die Musikerin zum Anfertigen von Klarinettenblättern, die für das Musizieren mit einer Klarinette benötigt werden. Der Übungsraum war nach außen schallisoliert und nach innen durch Teppichboden und einen schweren Vorhang vor der Tür raumakustisch optimiert.

Die Musikerin erklärte gegenüber dem Finanzamt, den Arbeitsraum ausschließlich zum Üben, Vorbereiten und Ausarbeiten von Musikstücken zu nutzen. Tätigkeiten, die üblicherweise in einem Arbeitszimmer ausgeführt werden, seien in dem Zimmer mangels Schreibtisch, Computer und Telefon nicht möglich. Das Finanzamt stufte den Raum dennoch als Arbeitszimmer ein und lehnte es ab, die von der Musikerin in der Steuererklärung angesetzten Raumkosten zu berücksichtigen.

Es kam zu einem Rechtsstreit vor dem FG Köln. Das Gericht schlug sich auf die Seite der Musikerin. Es stellte fest: Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, organisatorischer oder verwaltungstechnischer Arbeiten dient. Dementsprechend ist ein Arbeitszimmer typischerweise mit Büromöbeln eingerichtet, wobei der Schreibtisch regelmäßig das zentrale Möbelstück darstellt. Räume, die aufgrund ihrer Ausstattung und Funktion nicht einem Büro entsprechen, sind keine häuslichen Arbeitszimmer. Ist eine Zuordnung zum Typus des häuslichen Arbeitszimmers nicht möglich, sind die durch die berufliche Nutzung veranlassten Aufwendungen grundsätzlich unbeschränkt als Betriebsausgaben abziehbar.

Da das Gesamtbild im Streitfall keine Einordnung des Raumes als Arbeitszimmer zuließ, stimmte das Gericht dem uneingeschränkten Ausgabenabzug zu (FG Köln, Urteil vom 13.10.2010. Az. 9 K 3882/09, nicht veröffentlicht).

Steuertipp
Das Urteil ist nicht rechtskräftig, da das Finanzamt Revision vor dem BFH eingelegt hat (Az. des BFH: VIII R 44/10). Sollte Ihr Finanzamt Ihnen in einem vergleichbaren Fall den Betriebsausgabenabzug verweigern, empfehlen wir Ihnen, Einspruch einzulegen und unter Hinweis auf das anhängige BFH-Verfahren das Ruhen Ihres Einspruchsverfahrens zu beantragen.

Weitere News zum Thema

  • Bescheidkorrektur bei übersehenen Betriebsausgaben

    [] Wenn ein Selbstständiger erst nach Jahren bemerkt, dass er versehentlich Betriebsausgaben nicht geltend gemacht hat, kann er manchmal eine Korrektur des bereits bestandskräftigen Steuerbescheids erreichen, wie ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs zeigt. mehr

  • Überentnahmen: Kurzfristige Einlage nicht erlaubt

    [] Wenn Sie mehr aus dem Betriebsvermögen entnehmen, als Ihrem Betrieb zuvor durch Einlagen und Gewinne zugeführt worden ist, spricht man von einer Überentnahme. Für Schuldzinsen gilt dann: Soweit sie auf Überentnahmen beruhen, dürfen sie nicht abgezogen werden. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.