Überschaubares Gebiet als einheitliche Tätigkeitsstätte

 - 

Bei einer auswärtigen Tätigkeit am selben Ort ist der Anspruch auf Verpflegungspauschalen auf drei Monate begrenzt. Als eine Tätigkeitsstätte kann auch ein überschaubares Gebiet angesehen werden.

Wenn Sie als Selbstständiger vorübergehend außerhalb Ihrer Wohnung und Ihrer regelmäßigen Betriebsstätte tätig sind, befinden Sie sich auf einer Geschäftsreise. Sofern Sie mindestens 8 Stunden pro Tag unterwegs sind, haben Sie Anspruch auf eine Verpflegungspauschale, die Sie als Betriebsausgabe erfassen können.

Der Anspruch auf Verpflegungspauschalen endet, wenn sich die auswärtige Tätigkeit über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten am selben Ort erstreckt. Der Aufenthalt kann vorübergehend unterbrochen werden. Eine neue Drei-Monats-Frist beginnt erst, wenn der Tätigkeitsort nicht an mindestens drei Tagen in der Woche aufgesucht wird.

Als ein Tätigkeitsort kann auch ein räumlich zusammenhängendes Gebiet, also zum Beispiel ein überschaubarer Stadtteil, angesehen werden: Ein EDV-Berater arbeitete in verschiedenen Rechenzentren, die alle innerhalb eines Stadtgebietes lagen. Da die auswärtige Tätigkeit mehr als drei Monate andauerte, lehnte es das Finanzamt ab dem Beginn des vierten Monats ab, Verpflegungspauschalen zu gewähren.

Es kam zum Streit darüber, ob die verschiedenen, 1,5 Kilometer voneinander entfernt liegenden Rechenzentren überhaupt als einheitliche auswärtige Tätigkeitsstätte anzusehen sind. Das Finanzgericht Rheinland Pfalz bejahte dies und erklärte die Beschränkung des Verpflegungsmehraufwands für rechtmäßig (Urteil vom 10.11.2009, Az. 3 K 2284/08, EFG 2010 S. 315).

Steuertipp
Auch bei Selbstständigen kann es vorkommen, dass sich die regelmäßig aufgesuchten Kunden in räumlicher Nähe zueinander befinden und das Finanzamt daher auf die Drei-Monats-Frist zurückgreift. Sollte das bei Ihnen der Fall sein,  können Sie sich zur Wehr setzen. Legen Sie unter Hinweis auf ein beim BFH anhängiges Revisionsverfahren, in dem es um die Rechtmäßigkeit der Drei-Monats-Frist geht, Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid ein, und beantragen Sie gleichzeitig das Ruhen des Verfahrens (Az. der Revision: VI R 10/08).

Weitere News zum Thema

  • Bescheidkorrektur bei übersehenen Betriebsausgaben

    [] Wenn ein Selbstständiger erst nach Jahren bemerkt, dass er versehentlich Betriebsausgaben nicht geltend gemacht hat, kann er manchmal eine Korrektur des bereits bestandskräftigen Steuerbescheids erreichen, wie ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs zeigt. mehr

  • Überentnahmen: Kurzfristige Einlage nicht erlaubt

    [] Wenn Sie mehr aus dem Betriebsvermögen entnehmen, als Ihrem Betrieb zuvor durch Einlagen und Gewinne zugeführt worden ist, spricht man von einer Überentnahme. Für Schuldzinsen gilt dann: Soweit sie auf Überentnahmen beruhen, dürfen sie nicht abgezogen werden. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.