Reisekosten im falschen Jahr: kein grobes Verschulden

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Viele Selbstständige bekommen vom Auftraggeber die entstandenen Reisekosten erstattet. Aber Vorsicht: Fällt die Erstattung ins Folgejahr, dürfen Sie sie nicht mit den Kosten saldieren. Sie müssen die Reisekosten im Jahr der Zahlung als Betriebsausgabe geltend machen.

Ein selbstständiger Ingenieur war im Herbst 2002 für einen neuen Auftraggeber in Südkorea tätig. Die dafür entstandenen Reisekosten erstattete ihm sein Auftraggeber erst im Januar 2003, als er seine erbrachten Leistungen abrechnete.

Der Ingenieur war der Ansicht, er könne die Reisekosten erst in dem Jahr als Betriebsausgabe geltend machen, in dem ihm die Erstattung durch den Auftraggeber zufloss. Deshalb legte er die Reisekostenbelege in seinem Steuerordner für 2003 ab. Erst als die Steuererklärung 2003 gemacht wurde, stieß ein Steuerberater auf diesen Rechtsirrtum. Nach dem für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung geltenden Abflussprinzip hätten die Reisekosten bereits im Jahr der Zahlung, also im Jahr 2002, als Betriebsausgabe geltend gemacht werden müssen. Der Steuerberater beantragte nachträglich den Abzug der Reisekosten für das Jahr 2002.

Das Finanzamt stellte sich jedoch stur. Mit der Begründung, der Ingenieur habe sich mit der steuerlich falschen Beurteilung ein grobes Verschulden zukommen lassen, lehnte es die Änderung des bestandskräftigen Steuerbescheides 2002 ab.

Das Finanzgericht war großzügiger (FG Düsseldorf, Urteil vom 7.5.2007, Az. 17 K 1156/05 E, EFG 2007 S. 1744). Es konnte in der fehlerhaften Handhabung durch den steuerlichen Laien kein "grobes Verschulden" erkennen. Deshalb ließ es die Änderung des bestandskräftigen Steuerbescheides 2002 aufgrund "neuer Tatsachen" zugunsten des Ingenieurs zu (§ 173 Abs. 1 Nr. 2 AO)

Steuertipp
Nicht jeder stößt auf so verständnisvolle Richter. Gehen Sie deshalb besser kein Risiko ein und beachten Sie immer das Zufluss- und Abflussprinzip. Erstattete Reisekosten sind für Sie im Jahr der Erstattung Betriebseinnahmen. Die Ihrem Auftraggeber in Rechnung gestellten Reisekosten (z.B. Fahrt- oder Übernachtungskosten) müssen Sie unbedingt im Jahr der Zahlung als Betriebsausgabe geltend machen, auch wenn Ihnen diese Kosten im Folgejahr vom Auftraggeber erstattet werden. Sie dürfen also keine Saldierung vornehmen.

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