Künstler kauft eigene Bilder zurück: Betriebsausgabe

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Wenn ein Künstler selbstgeschaffene Kunstwerke zurückkauft, um ein Sinken des Marktwertes zu verhindern, kann er den Kaufpreis als Betriebsausgabe bei seinen Einkünften aus freiberuflicher Tätigkeit berücksichtigen, falls er einen Wiederverkauf beabsichtigt.

Ein freiberuflich tätiger Kunstmaler ermittelte seinen Gewinn über Einnahmen-Überschuss-Rechnung. Er kaufte von ihm gemalte und bereits früher verkaufte Bilder zurück, die auf dem Kunstmarkt im Rahmen von Auktionen erneut zum Verkauf angeboten wurden. Durch diese Maßnahme wollte der Künstler einen Preisverfall seiner Bilder verhindern. Den Kaufpreis machte er als Betriebsausgabe geltend, da es sich seiner Meinung nach um den Kauf von sofort abziehbaren Wirtschaftsgütern des Umlaufvermögens handelte.

Das Finanzamt lehnte das mit dem Argument ab, die Bilder seien nicht abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, da er mit dem Rückkauf die Bilder habe dauerhaft vom Markt nehmen wollen. Nach dem Einspruch vertrat das Finanzamt dann die Auffassung, die Rückkäufe der eigenen Bilder könnten nicht der künstlerischen Tätigkeit zugeordnet werden. Es handle sich vielmehr um eine gewerbliche Tätigkeit, bei der jedoch die Gewinnerzielungsabsicht noch nicht feststehe. Der Verlust aus Gewerbebetrieb könne daher nicht berücksichtigt werden.

Der Kunstmaler klagte und bekam vor dem Finanzgericht Recht (FG München, Urteil vom 20.4.2010, Az. 13 K 4288/07, EFG 2010 S. 2087). Von einem Gewerbebetrieb könne man nicht ausgehen, da kein planmäßiger An- und Verkauf von Kunstwerken vorliege. In zehn Jahren wurden nämlich nur acht Bilder zurückgekauft, aber keines davon wieder verkauft. Der Maler hatte die Richter davon überzeugen können, dass er die Bilder mit der Absicht zurückgekauft hatte, sie wieder zu verkaufen und sie keineswegs auf Dauer dem Kunstmarkt entziehen wollte. Es handelte sich also um den Einkauf von Ware. Das Finanzgericht war der Auffassung, angesichts der Gesetzmäßigkeiten des Kunstmarktes sei das Vorgehen des Künstlers ein typisches wirtschaftliches Verhalten. Da er damit eine Beschädigung seines Marktwertes verhindert habe, sei das wirtschaftliche Ergebnis den Einkünften aus freiberuflicher Tätigkeit zuzuordnen. Der Kunstmaler durfte daher die Rückkäufe in voller Höhe als Betriebsausgaben in seiner Gewinnermittlung berücksichtigen.

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