Kosten eines Erststudiums sind Betriebsausgaben

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Der BFH hat entschieden, dass die Ausgaben für ein Erststudium Werbungskosten oder Betriebsausgaben sein können. Das ist sehr erfreulich. Profitieren können Sie von diesem Steuervorteil aber nur unter bestimmten Voraussetzungen.

Seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2004 dürfen die Kosten eines Erststudiums oder einer erstmaligen Berufsausbildung nicht mehr einer Einkunftsart zugeordnet werden. Dadurch ist weder der Werbungskosten- noch der Betriebsausgabenabzug möglich. Die angefallenen Ausgaben können lediglich in Höhe von 4.000 Euro pro Jahr als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

Eine Steuerpflichtige nahm nach Abschluss ihrer Berufsausbildung ein Studium auf und gab die Studienkosten als vorweggenommene Werbungskosten in ihrer Steuererklärung an. Da es sich um ein Erststudium handelte, weigerte sich das  Finanzamt, die Ausgaben den "Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit" zuzuordnen und damit über den Betrag von 4.000 Euro hinaus steuerlich anzuerkennen. Mit dem Verbot des Werbungskostenabzuges wollte sich die Steuerpflichtige allerdings nicht abfinden und klagte daher vor dem Finanzgericht.

Der Rechtsstreit landete schließlich beim BFH. Dieser gab der Klage statt und erklärte den Werbungskostenabzug für zulässig (Urteil vom 18.6.2009, Az. VI R 14/07, DStR 2009 S. 1952).

Ausschlaggebend für die Entscheidung des Gerichts war die Tatsache, dass die Klägerin bereits vor der Aufnahme des Studiums eine Berufsausbildung abgeschlossen hatte. Aus steuerlicher Sicht war sie dadurch solchen Personen gleichzustellen, die nach ihrem Erststudium ein Zweitstudium aufnehmen und die ihnen entstehenden Kosten in vollem Umfang steuerlich berücksichtigen dürfen.

Nach Meinung des BFH kann das im Gesetz verankerte Abzugsverbot der Kosten eines Erststudiums allenfalls dann greifen, wenn das Studium die erste Ausbildung eines Steuerpflichtigen ist.

Steuertipp
Von dem BFH-Urteil können alle Selbstständigen profitieren, die studiert und zuvor eine Berufsausbildung abgeschlossen haben. Denn wenn (künftige) Angestellte die Kosten ihres Studiums als (vorweggenommene) Werbungskosten erfassen dürfen, können (künftige) Selbstständige ihre Ausgaben als (vorweggenommene) Betriebsausgaben berücksichtigen. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass die Ausgaben bei den einen zu den "Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit" und bei den anderen zu den "Einkünften aus selbstständiger Arbeit" gehören.

In anderer Richtung - Berufsausbildung nach einem Studium - stellt sich das Problem des eingeschränkten Kostenabzugs übrigens nicht. Denn ein Studium ist immer auch eine Berufsausbildung. Von daher kann es sich bei einer Ausbildung im Anschluss an ein Studium niemals um die erstmalige Berufsausbildung handeln.

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