GmbH-Beteiligung als notwendiges Betriebsvermögen eines Freiberuflers

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Eine GmbH-Beteiligung gehört nicht zum notwendigen Betriebsvermögen eines Freiberuflers, wenn sie ein erhebliches eigenes wirtschaftliches Gewicht hat und es dem Selbstständigen auf die Kapitalanlage ankommt.

Eheleute waren als Bildjournalisten freiberuflich tätig. 99% ihres Umsatzes erzielten sie über eine Verwertungs-GmbH, an der sie mit insgesamt 25% beteiligt waren. 1998 verkauften sie ihren Anteil für 3 Millionen DM. In der Steuererklärung wurde der Veräußerungsgewinn nicht berücksichtigt. Nach einer Betriebsprüfung änderte das Finanzamt den Steuerbescheid und erfasste den Veräußerungsgewinn als steuerpflichtige laufende Betrieblichseinnahmen. Begründung: Die GmbH-Anteile gehörten zu den wesentlichen Betriebsgrundlagen und stellten somit notwendiges Betriebsvermögen dar, dessen stille Reserven beim Verkauf zu versteuern sind.

Während das Ehepaar mit seiner Klage vom Finanzgericht abgewiesen wurde, erhielt es vom BFH Unterstützung. Die Richter wiesen den Rechtsstreit zwar zur erneuten Verhandlung an das Finanzgericht zurück. Ihre Ausführungen lassen jedoch kaum Zweifel daran, dass die Klage letzten Endes erfolgreich sein wird. Und das sind die Argumente: Geldgeschäfte wie Gewährung eines Darlehens, Übernahme einer Bürgschaft oder die Beteiligung an einer Kapitalgesellschaft sind der persönlichkeitsbezogenen freiberuflichen Tätigkeit grundsätzlich wesensfremd. Sie gehören deshalb im Allgemeinen nicht zum Betriebsvermögen eines Freiberuflers (BFH, Urteil vom 12.1.2010, Az. VIII R 34/07).

Nur ausnahmsweise kann eine Beteiligung als "Hilfsgeschäft" für die freiberufliche Tätigkeit angesehen werden und damit zum Betriebsvermögen gehören. Das ist der Fall, wenn die Tätigkeit der GmbH die eigene berufliche Tätigkeit ergänzt oder wenn über die Gesellschaft vor allem Aufträge akquiriert werden sollen. Hat aber der eigene wirtschaftliche Geschäftsbetrieb der Kapitalgesellschaft einen erheblichen Umfang und unterhält der Freiberufler mit ihr nur die üblichen Geschäftsbeziehungen, spricht das gegen die Annahme von notwendigem Betriebsvermögen. Da im Streitfall die Aufträge des Ehepaars nur rund 3% des Umsatzes der GmbH ausmachten, ging der BFH davon aus, dass es den Journalisten nicht auf die Erschließung eines Vertriebsweges, sondern auf die Kapitalanlage ankam. Das bedeutet Privatvermögen und steuerfreien Verkauf.

Steuertipp

Wird ein Veräußerungsgewinn erzielt, hat das Finanzamt Interesse daran, das Vorliegen von notwendigem Betriebsvermögen nachzuweisen, da dies zu hohen Steuereinnahmen führt. In diesem Fall liegt die objektive Beweislast beim Finanzamt.

Macht ein Freiberufler dagegen einen Verlust aus dem Verkauf seiner Beteiligung geltend, wird das Finanzamt das Vorliegen von Betriebsvermögen eher bestreiten. Der Steuerpflichtige muss dann begründen, warum es sich um notwendiges Betriebsvermögen handelt, damit er die Verluste mit positiven Einkünften verrechnen kann.

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