BFH ebnet den Weg zum Abzug von Erst-Ausbildungskosten

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Dank zweier Urteile des Bundesfinanzhofs lassen sich sowohl die Ausgaben für eine erstmalige Berufsausbildung als auch die Ausgaben für ein Erststudium in vollem Umfang steuerlich geltend machen.

Ein Abiturient begann unmittelbar nach Abschluss der Schule mit einer Ausbildung zum Verkehrspiloten. Die Kosten der Ausbildung gab er in seinen Steuererklärungen als vorweggenommene Werbungskosten an, denn die Ausgaben standen im Zusammenhang mit der späteren Tätigkeit als Berufspilot und dienten damit der Erzielung steuerpflichtiger Einkünfte. Das Finanzamt lehnte es aber ab, die Kosten steuerlich anzuerkennen. Es berief sich dabei auf das Einkommensteuergesetz, das den Abzug von Erstausbildungskosten ausschließt, wenn die Ausbildung nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses stattfindet (§12 Abs.5 EStG). Mit derselben Begründung lehnte ein anderes Finanzamt die von einer Abiturientin steuerlich geltend gemachten Kosten ihres Erststudiums ab.

Damit wollten sich die beiden Betroffenen allerdings nicht abfinden. Sie klagten gegen die Entscheidungen der Finanzämter und zogen bis vor den BFH.

Der BFH stellte letztlich fest: Das Einkommensteuergesetz enthält kein generelles Abzugsverbot der Kosten einer Erstausbildung oder eines Erststudiums. Das im Gesetz verankerte Abzugsverbot greift nur dann, wenn die angefallenen Ausgaben in keinem konkreten Zusammenhang mit einer gegenwärtigen oder zukünftigen beruflichen Tätigkeit stehen. Von einem solchen Zusammenhang ist immer dann auszugehen, wenn Berufswissen vermittelt wird und die Ausbildung/das Studium daher auf die Erzielung von Einnahmen gerichtet ist. Dem Ausgabenabzug steht dann nichts im Wege (Urteile vom 28.7.2011, Az. VI R 38/19 und VI R 7/10, DStR 2011 S. 1559).

Die Urteile des BFH öffnen dem angehenden Piloten und der Studentin das Tor zum Abzug vorweggenommener Werbungskosten. Diese können entweder sofort oder in späteren Jahren mit positiven Einkünften verrechnet werden.

Steuertipp
Wenn Sie sich in einer Erstausbildung befinden oder erstmals ein Studium absolvieren, ohne sich dabei in einem Arbeitsverhältnis zu befinden, sollten Sie Ihre Ausgaben unbedingt steuerlich als vorweggenommene Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend machen. Prüfen Sie auch die Möglichkeit der rückwirkenden Geltendmachung von Ausgaben, denn möglicherweise haben Sie für zurückliegende Jahre keine Steuererklärung abgegeben oder bereits erlassene Steuerbescheide sind noch nicht bestandskräftig geworden.

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