Beteiligung an branchenfremder Kapitalgesellschaft kann auch bei Freiberufler Betriebsvermögen sein

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Beteiligt sich ein Rechtsanwalt an einer Kapitalgesellschaft, um weiterhin Mandate zu erhalten, kann die Beteiligung zu seinem notwendigen Betriebsvermögen gehören. Dann sind Schuldzinsen zur Finanzierung als Betriebsausgabe abziehbar.

Ein selbstständiger Rechtsanwalt erzielte einen großen Teil seines Umsatzes mit einer AG, die im Bereich der Informationstechnologie tätig war. Auf Druck ausländischer Investoren musste er seine Tätigkeit im Aufsichtsrat der AG beenden. Um Einfluss auf das Unternehmen nehmen zu können und weiterhin mit Mandaten betraut zu werden, kaufte er für 78.000 Euro Aktien der AG. Der Erwerb wurde über ein Bankdarlehen finanziert. Die Schuldzinsen in Höhe von 1.536 Euro machte der Rechtsanwalt als Betriebsausgabe geltend.

Finanzamt und Finanzgericht lehnten den Abzug der Zinsen ab: Eine Unternehmensbeteiligung gehöre nur dann zum notwendigen Betriebsvermögen eines Freiberuflers, wenn eine gewisse Wesensnähe zwischen der freiberuflichen Tätigkeit und dem Unternehmenszweck der Beteiligungsgesellschaft bestehe. Zudem habe die Beteiligung ein eigenes wirtschaftliches Gewicht. Der Anwalt habe durch den Kauf nur am allgemein erwarteten Aufschwung in der IT-Branche teilhaben wollen.

Der Bundesfinanzhof sah es anders (BFH, Urteil vom 26.1.2011, Az. VIII R 19/08, BFH/NV 2011 S. 1311): Auch bei einer branchenfremden Beteiligung wie hier könne die Beteiligung zum notwendigen Betriebsvermögen gehören, wenn mit der Kapitalgesellschaft eine auf die Vergabe von Aufträgen gerichtete Geschäftsbeziehung bestehe. Gegen ein wirtschaftliches Eigengewicht der Beteiligung spreche die Tatsache, dass ein Verkauf der Beteiligung frühestens nach fünf Jahren möglich war.

Nun muss das Finanzgericht erneut prüfen, ob tatsächlich notwendiges Betriebsvermögen vorliegt. Nur dann darf der Anwalt seine Schuldzinsen abziehen. Gewillkürtes Betriebsvermögen kommt nach Ansicht der BFH in diesem Fall nicht in Betracht, da es an einem "unmissverständlichen Zuordnungsakt zum Betriebsvermögen" fehle. Die Beteiligung wurde nämlich im Januar 2000 erworben, aber erstmals am 11.3.2002 auf einem Konto innerhalb der Gewinnermittlung ausgewiesen. Der sofortige Ausweis auf einem Konto unmittelbar nach dem Kauf wäre jedoch Voraussetzung für eine Anerkennung als gewillkürtes Betriebsvermögen gewesen. Dass der Rechtsanwalt die Darlehenszinsen sofort als Betriebsausgaben verbucht hatte, reichte dem BFH nicht aus.

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