Abgrenzung zwischen Darlehen und Honorarvorschuss bei Musikern

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Einkommensteuerlich macht es einen großen Unterschied, ob eine Gutschrift auf dem Bankkonto eines Selbstständigen als Darlehensgewährung oder als Honorarvorschuss einzustufen ist.

Ein Komponist hatte einen Autorenexklusivvertrag mit einem Musikverlag geschlossen. Der Verlag zahlte dem Komponisten "auf Darlehensbasis" einen Betrag von rund 50.000 Euro im Voraus. Dieses Darlehen sollte durch Verrechnung mit den GEMA-Ausschüttungen getilgt werden. Der Musiker trat seine Verwertungsanspüche gegenüber der GEMA an seinen Verlag in Höhe des Darlehens ab. In seiner Einnahmen-Überschuss-Rechnung erfasste er nicht die Auszahlung des Geldbetrags als Betriebseinnahme, sondern erst die in späteren Jahren von der GEMA gezahlten Auswertungserlöse.

Das Finanzamt lehnte es jedoch ab, von einer Darlehensgewährung auszugehen. Es qualifizierte vielmehr die Zahlung des Verlags als Honorarvorschuss und behandelte den Betrag nach dem Zuflussprinzip bereits im Jahr der Auszahlung als Betriebseinnahme. Dagegen klagte der Musiker erfolgreich vor dem Finanzgericht (FG Düsseldorf, Urteil vom 26.2.2010, Az. 13 K 3950/06 E, EFG 2011 S. 313).

Die Finanzrichter waren der Auffassung, dass nach der bürgerlich-rechtlichen Gestaltung ein Darlehensvertrag geschlossen werden sollte. Der Musiker konnte nämlich glaubhaft darlegen, dass nur erfolgreiche Künstler, deren Ertragspotential der Verlag sicher einschätzen konnte, höhere Geldbeträge vorab anfordern konnten. Somit waren erst die später erhaltenen Autorenvergütungen als Betriebseinnahme zu versteuern, obwohl es zu diesem Zeitpunkt wegen der Verrechnung mit dem Darlehen zu keinem Geldzufluss kam.

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