Selbstständige: Arbeitsraum muss angemessen sein

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Sie lieben Ihren Beruf und arbeiten hoch engagiert – trotzdem dürfen Sie der Arbeit nicht immer das größte und schönste Zimmer im ganzen Haus widmen. Das geht aus einem Urteil des BFH hervor.

Schon das erstentscheidende Finanzgericht hatte 37 qm für 20 Tage Coaching-Sitzungen für maßlos übertrieben gehalten und die Betriebsausgaben für das Arbeitszimmer gestrichen, weil es eine nicht unerhebliche private Mitbenutzung vermutet.

Die private Mitbenutzung leiteten die Richter daraus ab, dass das streitige Zimmer der größte Raum in der Wohnung ist. Es ist mit einem Kachelofen mit umlaufender Bank ausgestattet und hat Zugang zum Balkon mit einem schönen Blick auf die Umgebung.

Der im Raum befindliche lange Tisch eignet sich gut für die Bewirtung mehrerer Gäste. Zudem kann das Zimmer als Esszimmer genutzt werden oder in der kalten Jahreszeit wegen des Kachelofens als Aufenthalts- bzw. Wohnzimmer.

Da der Raum pro Jahr an höchstens 20 Tagen den Coaching-Sitzungen der klagenden Selbstständigen gedient habe, sei auch nicht davon auszugehen, dass er ständig durch die Behandlungstätigkeit der Klägerin blockiert gewesen sei, erklärten die Richter weiter.

Und: Selbst wenn man die Vorbereitung und Nachbereitung der Behandlungen sowie die Akquisetätigkeit am Schreibtisch in die Zeiten der beruflichen Nutzung des Raums einbeziehe und die Zeiten, zu denen der Raum gar nicht benutzt worden sei, nicht der privaten Nutzung zuordne, verbleibe eine private Mitbenutzung des Raums an bis zu 300 Tagen jedes Streitjahres. Das war dann doch zu viel des Guten (BFH, Urteil vom 22.3.2016, Az. VIII R 24/12).

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