Kreativraum: voller Betriebsausgabenabzug zulässig

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Das Finanzamt stuft Ihren häuslichen Arbeitsraum als Arbeitszimmer ein und kürzt den Betriebsausgabenabzug, da der Raum nicht Mittelpunkt Ihrer Tätigkeit ist. Ärgerlich! Gelingt Ihnen allerdings der Nachweis, dass Einrichtung und Ausstattung des Raumes gegen eine büromäßige Nutzung sprechen, können Sie den vollen Ausgabenabzug durchsetzen.

Die Kosten eines betrieblich genutzten Raumes, der sich im häuslichen Wohnumfeld befindet, können nur einer Abzugsbeschränkung unterliegen, wenn der Raum augenscheinlich für Arbeiten gedanklicher, schriftlicher oder verwaltungstechnischer Art, in der Regel also für Bürotätigkeiten genutzt wird. Denn dann handelt es sich um ein Arbeitszimmer. Wichtiges Indiz für eine büroartige Nutzung ist das Vorhandensein von Büromöbeln, insbesondere eines Schreibtisches.

Befinden sich in dem Raum keine Büromöbel, deutet das auf eine anderweitige betriebliche Nutzung hin. Die Kosten sind dann grundsätzlich voll abzugsfähig, da der Gesetzgeber den Ausgabenabzug lediglich bei häuslichen Arbeitszimmern einschränkt.

Allein die Existenz von Büromöbeln rechtfertigt aber noch nicht die Einstufung als Arbeitszimmer. Vermittelt die Einrichtung des Raumes nämlich den Eindruck, dass Schreibtischarbeiten hinter eine andere Tätigkeit zurücktreten und damit nebensächlich sind, lässt sich die Einordnung des Raumes als Arbeitszimmer vermeiden. Steuerlich kann der Raum dann zum Beispiel als Werkstatt- oder Lagerraum eingestuft werden.

Kreativraum ist kein Arbeitszimmer

Ein Selbstständiger war als Musiker, Arrangeur und Produzent tätig. Im Eigentum des Künstlers befanden sich zwei Gebäude, die beide gemischt, also sowohl privat als auch betrieblich genutzt wurden. Das eine Gebäude war ein Einfamilienhaus, in dem sich der Selbstständige ein Tonstudio sowie einen Büro- und Archivraum eingerichtet hatte.

Im Erdgeschoss des zweiten Gebäudes unterhielt der Musiker einen rund 80 m2 großen Kreativraum. Eingerichtet war der Raum mit zahlreichen bequemen Sesseln, einem Sofa, einem Tisch mit mehreren Stühlen und einem Schreibtisch mit Bürostuhl. Weiterhin befanden sich in dem Raum ein Klavier, ein Keyboard und Computertechnik. Neben dem Kreativraum befanden sich in dem Gebäude Wohn-, Schlaf- und Sanitärräume sowie eine Küche.

Das Finanzamt lehnte es ab, die in der Steuererklärung geltend gemachten Kosten des Kreativraumes in voller Höhe anzuerkennen, da es von einem häuslichen Arbeitszimmer ausging. Gegen diese Entscheidung klagte der Musiker – und bekam Recht. Das FG Niedersachsen stufte dem Kreativraum aufgrund seiner Ausstattung nicht als Arbeitszimmer, sondern als betriebsstättenähnlichen Raum ein.

Das Gericht stellte fest: Eine Nutzung des Kreativraumes für Bürotätigkeiten ist nicht erforderlich, da der Musiker in seinem Einfamilienhaus ein Büro unterhält. Auch die Größe und Ausstattung des Raumes sprechen gegen eine vorwiegende Arbeitsnutzung durch den Musiker selbst. (Der Künstler hatte im Übrigen durch Aufzeichnungen glaubhaft gemacht, dass er den Raum überwiegend zusammen mit anderen Personen nutzt.) Eine erhebliche private Mitbenutzung des Raumes scheidet aus, weil dafür andere Räume im Haus vorhanden sind und sich der Kreativraum aufgrund seiner Einrichtung nicht für ein gemütliches Zusammensein eignet (Niedersächsisches FG vom 31.5.2012, 1 K 272/10 ).

Steuertipp Aufgrund der besonderen räumlichen Gegebenheiten hatte es der Musiker verhältnismäßig leicht, das Finanzgericht vom Vorhandensein eines betriebsstättenähnlichen Raumes zu überzeugen und sich dadurch den vollen Ausgabenabzug zu sichern. Weitaus schwieriger ist ein solches Unterfangen, wenn sich das betriebliche und private Geschehen nur in einem Haus oder in einer Wohnung abspielt. Beim BFH ist derzeit ein Verfahren anhängig, in dem es darum geht, ob das Übezimmer einer Musikerin in der eigenen Wohnung ebenfalls die Voraussetzungen für einen betriebsstättenähnlichen Raum erfüllt und damit als Arbeitszimmer ausscheidet (Az. des BFH: VIII R 44/10).

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