Häusliches Arbeitszimmer: Finanzgerichte spielen Pingpong

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Selbstständige nutzen häufig einen in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus gelegenen Raum für Bürotätigkeiten. Aus steuerlicher Sicht handelt es sich dann um ein Arbeitszimmer. Nicht abschließend geklärt ist bislang, ob der Betriebsausgabenabzug auch bei einer sowohl privaten als auch betrieblichen (=gemischten) Raumnutzung zulässig ist.

Wird ein sich im häuslichen Umfeld befindlicher Raum nahezu ausschließlich für betriebliche Zwecke genutzt, ist die Rechtslage eindeutig: Der Betriebsausgabenabzug ist zulässig. Handelt es sich bei dem Raum um ein Arbeitszimmer und ist er nicht Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit, dürfen pro Jahr allerdings maximal Ausgaben in Höhe von 1.250 € gewinnmindernd berücksichtigt werden.

Wie stellt sich die Rechtslage aber dar, wenn ein Arbeitsraum nicht nur unwesentlich, also zu mehr als 10 % privat mitgenutzt wird? Das Gesetz hilft hier nicht weiter. Es fehlt an einer Vorschrift, die eine Aufteilung der Raumkosten ausdrücklich erlaubt – oder verbietet.

Bundesfinanzhof ebnet den Weg zur Kostenaufteilung

Der Bundesfinanzhof (BFH) fällte im Jahr 2010 ein vielbeachtetes Grundsatzurteil. Im Streitfall ging es allerdings nicht um ein Arbeitszimmer, sondern um Reisekosten. Nach Ansicht des BFH dürfen gemischt veranlasste Kosten aufgeteilt werden, sofern eine Trennung aus objektiver Sicht möglich ist. Die Aufteilung kann auch auf dem Schätzwege erfolgen.

Bereits kurz nach dem richtungsweisenden BFH-Urteil machten die ersten Selbstständigen die Kosten gemischte genutzter Arbeitsräume anteilig als Betriebsausgaben geltend. Die Finanzämter blockten allerdings unisono, da sie eine große, die Staatskasse schröpfende Nachahmer-Welle befürchteten.

Finanzgerichte sind sich beim Arbeitszimmer uneins

Die Mauertaktik der Finanzämter provozierte zahlreiche Klagen. Das erste Urteil kam im Jahr 2011 vom FG Köln. Im Streitfall nutzte ein Steuerpflichtiger einen privaten Wohnraum auch für berufliche Zwecke. Das Gericht gestattete den anteiligen Ausgabenabzug und akzeptierte eine Kostenaufteilung von 50 zu 50. Damit stand es 1 zu 0 für die Steuerzahler.

In den folgenden Monaten glichen die Finanzämter allerdings nicht nur zum 1 zu 1 aus, sondern gingen sogar mit 2 zu 1 in Führung. Denn sowohl das FG Baden-Württemberg als auch das FG Sachsen lehnten eine Kostenaufteilung ab. Begründung: Eine sachgerechte Trennung der Kosten ist bei einer gemischten Raumnutzung wegen fehlender klarer und eindeutiger Merkmale nicht möglich.

Den (vorläufigen) Schlusspunkt setzte dann das FG Niedersachsen. Das Gericht schlug sich wiederum auf die Seite des FG Köln und sprach sich ebenfalls für die Kostenaufteilung aus. Es steht also 2 zu 2.

Und nun? Ein weiteres Mal wartet die Steuerwelt gespannt auf ein Machtwort des BFH. Der ist schon lange im Rennen, da bereits gegen das Urteil des FG Köln Revision eingelegt wurde (Az. des BFH: X R 32/11). Aufgrund der großen Bedeutung der Thematik dürfte in naher Zukunft mit einer Entscheidung des BFH zu rechnen sein.

Solange die Rechtslage nicht eindeutig geklärt ist, kann nur jedem Selbstständigen, der einen Raum sowohl betrieblich als auch privat nutzt, empfohlen werden, das Pulver trocken zu halten. Das heißt: Die Kosten eines gemischt genutzten Raums zumindest anteilig steuerlich geltend machen, gegen die Kürzung des Betriebsausgabenabzugs durch das Finanzamt Einspruch einlegen und gleichzeitig unter Hinweis auf das erwähnte anhängige BFH-Verfahren das Ruhen des Einspruchsverfahrens beantragen.

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