Arbeitszimmer: Ausgabenabzug bei mehreren Nutzern

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Ist ein häusliches Arbeitszimmer nicht Mittelpunkt der Gesamttätigkeit und fehlt es an einem auswärtigen Arbeitsplatz, dürfen pro Jahr nur Ausgaben bis zur Höhe von 1.250 € gewinnmindernd berücksichtigt werden. Das gilt selbst dann, wenn mehrere Personen den Raum beruflich nutzen. Zu Recht?

Ein Ehepaar nutzte gemeinsam einen größeren Raum des Hauses für berufliche Zwecke. Beide Ehepartner erfüllten die Voraussetzungen für die steuerliche Berücksichtigung eines Arbeitszimmers, weil sie außerhalb des Hauses keinen Arbeitsplatz hatten. Das Problem: Da der Höchstbetrag von 1.250 € für ein häusliches Arbeitszimmer objekt- und nicht personenbezogen ist, konnten die Eheleute zusammen nur einmal den Betrag von 1.250 € steuerlich geltend machen.

Das empfand das Ehepaar als ungerecht. Es vermutete einen Verstoß gegen den verfassungsrechtlich geschützten Gleichheitsgrundsatz und ging gerichtlich gegen die Entscheidung des Finanzamtes vor. Ihre Klage begründeten die Eheleute insbesondere damit, dass der Gesetzgeber bei der Festlegung der 1.250-Euro-Grenze von einem Raum der Größe 12 bis 14 m2 ausging. Der von dem Ehepaar genutzte Raum war allerdings fast doppelt so groß. Würde der Raum durch das Einziehen einer Wand in zwei kleine Zimmer aufgeteilt, wäre der Weg zum zweifachen Höchstbetrag frei. Der Umstand, dass zwei Steuerpflichtige auf eine Raumteilung verzichten und stattdessen einen großen Raum gemeinsam nutzen, müsse letztlich genauso behandelt werden wie die Nutzung von zwei getrennten, kleinen Räumen, argumentierten die Kläger.

Das FG Baden-Württemberg beharrte allerdings auf der objektbezogenen 1.250-Euro-Grenze und lehnte die Klage ab. Das Gericht sah keinen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsprinzip des Grundgesetzes. Es sei schließlich die freie Entscheidung der Eheleute, ob sie in ihrem Haus gemeinsam einen großen Raum beruflich nutzten oder jeder einen kleinen Raum für sich. Die unterschiedlichen Rechtsfolgen, die sich aus der getroffenen Entscheidung ergeben, können nicht als verfassungsrechtliche Ungleichbehandlung angesehen werden, stellte das Gericht fest (FG Baden-Württemberg vom 12.7.2012, 3 K 447/12 ).

Da in dem Rechtsstreit Gesichtspunkte vorgetragen wurden, die eine Überprüfung der Streitfrage durch den Bundesfinanzhof (BFH) notwendig erscheinen lassen, ließ das FG Baden-Württemberg die Revision zu.

Wenn Sie eine mit dem Streitfall vergleichbare räumliche Ausgangssituation haben, können Sie von dem BFH-Verfahren profitieren. Ist auch bei Ihnen die 1.250-Euro-Grenze bei den Arbeitszimmerkosten überschritten und streicht das Finanzamt daher einen Teil der Betriebsausgaben, sollten Sie unter Hinweis auf das anhängige Revisionsverfahren Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid einlegen.

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