Standardsoftware: bewegliches Wirtschaftsgut?

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Die Einordnung eines Wirtschaftsgutes als beweglich, unbeweglich oder immateriell entscheidet über dessen steuerliche Behandlung. Bei Computerprogrammen zeichnet sich ein erfreulicher Wandel ab.

Computerprogramme werden von den Finanzämtern traditionell als immaterielle Wirtschaftsgüter eingestuft. Die Folge: Die Anschaffungskosten von Software können nur linear abgeschrieben werden. Andere Abschreibungsmethoden, wie die degressive Abschreibung, GWG-Abschreibung oder Sonderabschreibung, sind nicht zulässig, da diese ein bewegliches Wirtschaftsgut voraussetzen. Aus demselben Grund dürfen für die Anschaffung von Software auch keine gewinnmindernden Rücklagen (Ansparabschreibung/Investitionsabzugsbetrag) gebildet werden.

Eine Ausnahme bilden lediglich sogenannte Trivialprogramme. Bei diesen handelt es sich um bewegliche Wirtschaftsgüter. Liegen die Anschaffungskosten eines Computerprogrammes nicht über 410 Euro netto, ist stets von einem Trivialprogramm auszugehen (R 5.5. EStR 2008).

Die Meinung, dass zumindest die Behandlung von Standardsoftware als immaterielles Wirtschaftsgut nicht mehr zeitgemäß ist, scheint sich mittlerweile aber bei den Finanzgerichten durchzusetzen. Das FG Köln hat zum Beispiel einem Selbstständigen gestattet, für die Anschaffung von Standardsoftware eine Ansparabschreibung zu bilden, und die Software damit als bewegliches Wirtschaftsgut eingestuft. Das Finanzamt hat erwartungsgemäß Revision gegen das Urteil eingelegt. Es bleibt nun abzuwarten, ob sich der BFH der Meinung der Vorinstanz anschließt und damit ein neues Zeitalter bei der steuerlichen Behandlung von Software einläutet (FG Köln, Urteil vom 17.2.2009, Az. 1 K 1171/06, EFG 2009 S. 682; Az. des Rechtsmittels: X R 26/09).

Steuertipp
Lehnt Ihr Finanzamt die Behandlung von Standardsoftware als bewegliches Wirtschaftsgut ab, sollten Sie Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid einlegen und unter Hinweis auf das anhängige BFH-Verfahren das Ruhen Ihres Verfahrens beantragen.

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