Ist spätere Aufstockung eines Investitionsabzugsbetrags zulässig?

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Wird ein Investitionsabzugsbetrag zunächst nicht in voller Höhe gebildet, so lässt die Finanzverwaltung keine spätere Aufstockung zu. Nun muss der BFH klären, ob diese einengende Interpretation rechtmäßig ist.

Selbstständige dürfen für eine geplante Investition schon vorher bis zu 40% der voraussichtlichen Anschaffungskosten als gewinnmindernden Investitionsabzugsbetrag berücksichtigen. Vor allem bei nicht so hohem Einkommen oder sehr teuren Wirtschaftsgütern ist es aber oft nicht sinnvoll, den Abzugsbetrag im ersten Jahr voll auszuschöpfen, da er sich nur bis zu einer bestimmten Höhe steuerlich auswirkt. Da liegt der Gedanke nahe, den Abzugsbetrag zunächst nur zum Teil zu beanspruchen und ihn erst im nächsten Jahr auf die zulässige Gesamthöhe aufzustocken.

Leider gibt es einen kleinen Schönheitsfehler bei diesem grundsätzlich richtigen Gedanken: Die Finanzverwaltung lässt es nämlich nicht zu, einen gebildeten Investitionsabzugsbetrag schrittweise über zwei oder drei Jahre zu erhöhen (BMF-Schreiben vom 8.5.2009, Tz. 6). Ihrer Auffassung nach darf der Abzugsbetrag für ein Wirtschaftsgut nur in einem Jahr angesetzt werden. Der nicht ausgeschöpfte Teil geht also steuerlich verloren. Aus dem Gesetzeswortlaut selbst ergibt sich diese eigenwillige Sichtweise allerdings nicht.

Beispiel
Frau Simon will 2012 einen betrieblichen Transporter mit voraussichtlichen Anschaffungskosten von 40.000 Euro kaufen. Maximal möglicher Investitionsabzugsbetrag: 16.000 Euro. Ihre Steuerberechnung für das Jahr 2010 hat jedoch ergeben, dass sich aufgrund des niedrigen Gewinns nur ein Investitionsabzugsbetrag in Höhe von 7.000 Euro steuermindernd auswirkt. Sie setzt daher in ihrer Einnahmen-Überschuss-Rechnung nur 7.000 Euro an. Den restlichen Betrag von 9.000 Euro will sie ein Jahr später in der EÜR 2011 geltend machen. Frau Simon riskiert bisher, dass ihr Finanzamt die für sie optimale Aufstockung im Jahr 2011 ablehnt.

Die Frage hat nun die Gerichte erreicht. Das Niedersächsische Finanzgericht vertritt im Gegensatz zur Finanzverwaltung die unternehmerfreundliche Auffassung, dass ein geltend gemachter Investitionsabzugsbetrag im Folgejahr aufgestockt werden kann (Niedersächsisches FG, Urteil vom 20.7.2010, Az. 16 K 116/10).

Steuertipp
Verweigert Ihnen Ihr Finanzamt die Aufstockung eines Investitionsabzugsbetrags, sollten Sie mit Hinweis auf das nun beim BFH anhängige Verfahren Einspruch einlegen und Ruhen des Verfahrens beantragen (Az. des BFH: X R 25/10).

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