Investitionsabzugbetrag: Richtigen Zeitpunkt nicht verpassen

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Erst investieren, dann den Gewinn durch einen Investitionsabzugsbetrag mindern? Das geht. Bislang aber nur in sehr engen Grenzen.

Ein selbstständiger Kfz-Sachverständiger erwarb Anfang Dezember 2008 einen neuen PKW für rund 40.000 Euro. Zwei Tage nach dem Pkw-Kauf gab der Steuerpflichtige seine Einkommensteuererklärung 2007 ab, ohne allerdings für das kurz vorher angeschaffte Auto einen Investitionsabzugsbetrag gebildet zu haben. Bei Anschaffungskosten von annähernd 40.000 Euro, hätte der Abzugsbetrag immerhin fast 16.000 Euro betragen können. Denn der Investitionsabzugsbetrag kann bis zu 40% der Anschaffungskosten eines Wirtschaftsgutes ausmachen.

Nach Erhalt seines Steuerbescheids 2007 legte der Selbstständige Einspruch gegen den Bescheid ein und beantragte nachträglich einen Investitionsabzugsbetrag für den Kauf des Fahrzeuges in Höhe von 15.500 Euro. Das Finanzamt lehnte es aber ab, den Bescheid zu ändern, erkannte den Abzugsbetrag also nachträglich nicht an. Begründung: Wird ein Investitionsabzugsbetrag erst nach Abgabe der Jahressteuererklärung geltend gemacht, ist die nachträgliche Anerkennung allenfalls dann möglich, wenn das Investitionsobjekt noch nicht vor der Abgabe der Steuererklärung angeschafft wurde. In allen anderen Fällen fehlt es an dem vom Gesetzgeber geforderten Finanzierungszusammenhang.

Der Sachverständige klagte gegen die Entscheidung des Finanzamtes vor dem Finanzgericht Berlin-Brandenburg - und unterlag. Denn auch das Finanzgericht konnte im konkreten Fall keinen Finanzierungszusammenhang erkennen. Da die Investition bereits abgeschlossen war, hätte der Kläger den Abzugsbetrag entweder bereits in seiner Steuererklärung berücksichtigen oder zumindest plausibel darlegen müssen, warum er den Investitionsabzugsbetrag nicht in seiner Steuererklärung erfasst hat. Da es an einer plausiblen Erklärung fehlte, nahm das Gericht an, dass im Zeitpunkt der Einreichung der Steuererklärung noch kein Investitionsabzugsbetrag eingeplant war (Urteil vom 16.9.2010, Az. 12 K 12197/09, noch nicht veröffentlicht).

Ob gegen das Urteil des FG Berlin-Brandenburg Revision vor dem BFH eingelegt wird, steht noch nicht fest. Die Frist zur Einlegung der Revision endet Anfang November.

Steuertipp
Die Finanzgerichte haben sehr unterschiedlich in Streitfällen entschieden, wo eine gewinnmindernde Rücklage in Form einer Ansparabschreibung oder eines Investitionsabzugsbetrages erst nach Abgabe der Steuererklärung geltend gemacht wurde. Das nachträgliche Erklären eines Investitionsabzugsbetrages ist daher durchaus riskant. Das Risiko der Nicht-Anerkennung können Sie nur dann vollständig auszuschalten, wenn Sie die Rücklage bereits in Ihrer Einkommensteuererklärung berücksichtigen.

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