BFH: Höhere Abschreibung bei Einlage von Gebäuden ins Betriebsvermögen

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Ausgangspunkt für die Abschreibung von Gebäuden nach Einlage ins Betriebsvermögen ist der Teilwert zum Zeitpunkt der Einlage, vermindert um die bereits früher in Anspruch genommenen Abschreibungen.

Gelegentlich wird ein Gebäude zunächst im Rahmen von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung genutzt und erst Jahre später in ein Betriebsvermögen eingelegt. Für diesen Fall wollte der Gesetzgeber verhindern, dass Abschreibungen ein zweites Mal gewährt werden (§ 7 Abs. 1 Satz 5 EStG). Doch die neue Vorschrift war in Bezug auf die Bemessungsgrundlage für die Abschreibung missverständlich und ließ verschiedene Interpretationen zu.

Die Finanzverwaltung vertrat die fiskalisch motivierte Ansicht, Ausgangspunkt für die Abschreibung müssten streng nach dem Gesetzeswortlaut die ursprünglichen, historischen Anschaffungskosten sein (R 7.3 Abs. 6 EStR 2008).

In der steuerlichen Fachliteratur dagegen wurde überwiegend die Auffassung vertreten, dass nach dem Sinn der neuen Vorschrift Ausgangspunkt für die Abschreibung der Teilwert zum Zeitpunkt der Einlage sein müsse. Diese Auffassung ist nun vom BFH bestätigt worden (BFH, Urteil vom 18.8.2009, Az. X R 40/06). Bei den meisten Grundstücken oder Gebäuden ist der aktuelle Teilwert höher als die ursprünglichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Deshalb führt in diesen Fällen die Rechtsauffassung des BFH zu weit höheren Abschreibungsbeträgen.

Beispiel

Herr Alt hat Ende 2003 ein vermietetes Haus für 500.000 Euro gekauft. Die jährliche Abschreibung beträgt 2% =  10.000 Euro. Ende 2008 legt er das Gebäude, dessen Wert inzwischen auf 1 Mio. Euro gestiegen ist, in seinen Betrieb ein.
Abschreibung bis dahin: 5 x 10.000 Euro = 50.000 Euro.
Das Finanzamt ging von einer AfA-Bemessungsgrundlage von 450.000 Euro aus (Anschaffungskosten 500.000 Euro abzgl. bisherige AfA 50.000 Euro). Das ergab eine jährliche Abschreibung von 9.000 (2% von 450.000 Euro)

Da Herr Alt als Leser der Steuertipps über das Verfahren beim BFH informiert war, legte er Einspruch ein. Entsprechend dem BFH-Urteil beträgt die AfA-Bemessungsgrundlage 950.000 Euro (Teilwert bei Einlage 1.000.000 Euro abzgl. bisherige AfA 50.000 Euro). Das ergibt eine jährliche Abschreibung von 19.000 Euro (2% von 950.000 Euro). Jedes Jahr also eine Differenz von 10.000 Euro zugunsten von Herrn Alt!

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