Haben Sie 2015 geheiratet?

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Dann machen Sie 2016 Ihre erste gemeinsame Steuererklärung. Was Sie dazu wissen müssen, erklären wir Ihnen hier.

Als Ehepaar oder eingetragene Lebenspartner haben Sie für jedes Kalenderjahr die Wahl: Sie können sich zusammen veranlagen lassen oder einzeln. Auf der Seite 1 des Mantelbogens geben Sie an, welche Veranlagung Sie wünschen.

Durch die Wahl der Veranlagungsart können Sie viel Geld sparen. Es ist also wichtig zu wissen, wann sich die getrennte Veranlagung bzw. Einzelveranlagung lohnen und welche Nachteile die getrennte Veranlagung bzw. Einzelveranlagung bei der Berechnung der Einkommensteuer mit sich bringen kann.

So funktioniert die Einzelveranlagung

Jeder Ehepartner

  • gibt eine eigene Steuererklärung ab, die auch nur er unterschreibt;

  • bekommt einen separaten Steuerbescheid;

  • unterliegt mit seinem zu versteuernden Einkommen dem Grundtarif.

Mit der Einzelveranlagung müssen nicht beide Ehepartner einverstanden sein. Entscheidet sich einer der beiden dafür, muss auch der andere eine eigene Steuererklärung abgeben.

Die Einzelveranlagung hat Vor- und Nachteile. Führen Sie deshalb bitte eine genaue Berechnung durch, bevor Sie sich für diese Veranlagungsart entscheiden:

Berechnen Sie zunächst für jeden Ehepartner, wie viel Steuer auf ihn bei Einzelveranlagung laut Grundtarif entfällt. Diese Steuerbeträge addieren Sie. Dann stellen Sie dieser Summe die Steuerbelastung gegenüber, die sich bei Zusammenveranlagung laut Splittingtarif ergibt.

Vergessen Sie bei der Vergleichsrechnung auch nicht außersteuerliche Förderungen, die Sie bei einer Zusammenveranlagung bekommen, bei der Einzelveranlagung dagegen nicht oder nur gekürzt.

Erstellen Sie Ihre Steuererklärung mit einer Steuererklärungs-Software (z.B. Steuer-Spar-Erklärung ), haben Sie es ganz bequem: Sie können die möglichen Veranlagungsformen ganz leicht mit einem Mausklick vergleichen.

Wann lohnt sich die Einzelveranlagung?

Prüfen Sie anhand der folgenden Liste, ob die Einzelveranlagung trotz Grundtarif günstiger für Sie sein kann als die Zusammenveranlagung:

  • Beide haben Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit und Nebeneinkünfte

    Haben Sie Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit, sind Nebeneinkünfte bis 410 € ganz steuerfrei und bis 820 € teilweise. Bei Zusammenveranlagung verdoppeln sich diese Grenzen nicht, selbst wenn beide Ehepartner Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit und Nebeneinkünfte haben.

    Anders bei der Einzelveranlagung: Hier bekommt jeder Ehepartner für seine Nebeneinkünfte den Härteausgleich. Da Sie bei der Einzelveranlagung aber auf den Splittingvorteil verzichten, lohnt sie sich nur, wenn Sie beide ungefähr gleich viel verdienen.

  • Ein Ehepartner erhält hohe Lohnersatzleistungen

    Hat ein Ehepartner das ganze Jahr oder zumindest für einen großen Teil des Jahres steuerfreie Leistungen bekommen, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, zum Beispiel Eltern-, Mutterschafts-, Arbeitslosen- oder Krankengeld? Dann kann ausnahmsweise die Einzelveranlagung günstiger sein. Voraussetzung ist, dass der andere Ehepartner »normale« steuerpflichtige Einkünfte hat.

    Durch die Einzelveranlagung verhindern Sie, dass das steuerpflichtige Einkommen des einen durch die Hinzurechnung der steuerfreien Lohnersatzleistung des anderen Ehepartners einem höheren Steuersatz unterliegt. Die Einzelveranlagung rechnet sich allerdings nur, wenn die steuerfreien Einnahmen im Verhältnis zum normalen Arbeitslohn recht hoch sind.

  • Ein Ehepartner hat hohe steuerermäßigte Einkünfte

    Haben Sie oder Ihr Ehepartner eine Abfindung oder Vergütung für eine mehrjährige Tätigkeit erhalten, auf die die günstige Fünftelregelung anzuwenden ist? Dann führt die Einzelveranlagung unter Umständen zu einer niedrigeren Steuerbelastung. Voraussetzung: Es haben beide Ehepartner noch andere Einkünfte. Bei der Zusammenveranlagung erhöht sich nämlich der Steuersatz für die tarifbegünstigten Einkünfte durch die Zusammenrechnung mit dem Einkommen des Ehepartners. Das verhindern Sie mit der Einzelveranlagung.

  • Einer der Ehepartner hat Verluste, der andere geringe Einkünfte

    Haben Sie oder Ihr Ehepartner einen Verlust, den Sie nicht mit eigenen positiven Einkünften desselben Jahres ausgleichen können - zum Beispiel aus selbstständiger Tätigkeit oder Vermietung und Verpachtung? Dann können Sie durch die geschickte Kombination der Einzelveranlagung mit einem Verlustrück- oder Verlustvortrag viel Steuern sparen.

  • Ein Ehepartner ist kirchensteuerpflichtig, der andere nicht

    Leben Sie in glaubensverschiedener Ehe und verdient der kirchenangehörige Ehepartner deutlich weniger? Dann erhebt die Kirche bei Zusammenveranlagung das »besondere Kirchgeld«. Und das kann ganz schön hoch sein! Bei Einzelveranlagung gibt es das besondere Kirchgeld nicht.

  • Sie müssen Einkommensgrenzen einhalten

    Manche Vergünstigungen sind an Einkommensgrenzen gebunden, zum Beispiel die Arbeitnehmer-Sparzulage.

    Überschreiten Sie zusammen diese Grenze, kann der weniger verdienende Ehepartner durch eine Einzelveranlagung vielleicht darunterrutschen. So bleibt wenigstens für ihn die Förderung erhalten.

So funktioniert die Zusammenveranlagung

Für viele Ehepaare und eingetragene Lebenspartnerschaften ist die Zusammenveranlagung am günstigsten. Deshalb führt der Finanzbeamte automatisch eine Zusammenveranlagung durch, wenn Sie in der Steuererklärung auf Seite 1 des Mantelbogens kein Kreuzchen für die gewünschte Veranlagungsform setzen

Voraussetzung für die günstige Zusammenveranlagung ist, dass Sie im Veranlagungsjahr

  • miteinander verheiratet sind,

  • beide unbeschränkt steuerpflichtig sind und

  • an mindestens einem Tag zusammenleben - also nicht das ganze Jahr über getrennt sind.

Bei der Zusammenveranlagung gelten die beiden Ehepartner als Veranlagungsgemeinschaft. Das bedeutet:

  • Sie geben eine gemeinsame Steuererklärung ab, die beide Ehepartner unterschreiben.

  • Ihr gemeinsames zu versteuerndes Einkommen unterliegt dem günstigen Splittingtarif.

  • Außerdem bekommen sie ihre Steuerbescheide auf einem Blatt Papier. Obwohl es wie ein einziger Bescheid aussieht, umfasst das Dokument mehrere Bescheide: den über die Einkommensteuer, den über den Solidaritätszuschlag und ggf. den über die Kirchensteuer – und das jeweils für jeden Ehepartner. Bedeutung hat das vor allem, wenn nur ein Ehepartner gegen den gemeinsamen Steuerbescheid Einspruch einlegen will.

Auch bei der Zusammenveranlagung ermittelt der Finanzbeamte die Einkünfte der Ehepartner getrennt. Er rechnet sie erst später zum Gesamtbetrag der Einkünfte zusammen. Ab dieser Stelle gelten die Eheleute als ein Steuerpflichtiger. Erfreulicherweise kann aber der eine Ehepartner von bestimmten Frei- und Pauschbeträgen des anderen profitieren.

So wirkt sich der Splittingtarif aus

Der Splittingtarif macht sich bei Ihrer Steuerbelastung nur bemerkbar, wenn Sie und Ihr Ehepartner unterschiedlich hohe Einkünfte haben. Das liegt am progressiven Steuertarif: Der Steuersatz steigt im Vergleich zum Einkommen überproportional an. Wird bei der Zusammenveranlagung das gemeinsame zu versteuernde Einkommen gleichmäßig auf beide Ehepartner verteilt, sinkt der Steuersatz überproportional.

Je näher die Einkünfte der Ehepartner beieinanderliegen, umso geringer ist der Splittingvorteil. Deshalb stellen Jungverheiratete mit in etwa gleich hohem Verdienst bei der ersten Zusammenveranlagung oft enttäuscht fest, dass sie kaum weniger Steuern zahlen als vor der Hochzeit.

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