Ehepaar: Zusammenveranlagung trotz Trennung?

 - 

Auch langjährig getrennt lebende Ehegatten können zusammen zur Einkommensteuer veranlagt werden, entschied das FG Münster. Natürlich nur unter bestimmten Voraussetzungen!

Living apart together sagt man wohl auf Neu-Deutsch... Und das FG Münster ging sehr souverän mit der Situation um:

Ein Mann und eine Frau heirateten im Jahr 1991 und bekamen im gleichen Jahr einen gemeinsamen Sohn. 2001 zog die Frau mit dem Sohn aus dem bis dahin gemeinsam bewohnten Einfamilienhaus zunächst in eine Mietwohnung und später in eine Eigentumswohnung. Trotzdem wollte das Paar, das sich nicht hatte scheiden lassen, weiter zusammen veranlagt werden.

Living apart together machte es möglich. Denn, so die Argumentation des Paares vor Gericht, man habe nur räumlich getrennt voneinander gelebt, nicht aber persönlich und geistig. Der Auszug der als Ärztin voll berufstätigen Ehefrau sei durch die schwierige familiäre Situation mit der im selben Haus lebenden pflegebedürftigen Mutter des Ehemannes begründet gewesen. Allerdings hätten sich beide Eheleute weiterhin regelmäßig abends und an Wochenenden getroffen und gemeinsame Ausflüge, Urlaube und sonntägliche Kirchenbesuche unternommen. Die Kosten hierfür sowie den Unterhalt des gemeinsamen Sohnes hätten beide stets gemeinsam getragen. Andere Partner habe es niemals gegeben. Derzeit plane man, auf einem gemeinsam erworbenen Grundstück einen Bungalow zu errichten, um dort wieder zusammenzuziehen.

Die Richter hörten dazu die Eheleute und auch den Sohn an und kamen zu dem Ergebnis, dass es glaubhaft erscheine, dass die Eheleute ihre persönliche und geistige Gemeinschaft trotz der räumlichen Trennung aufrechterhalten hatten. Dabei halfen natürlich auch der Plan, in einem gemeinsam zu errichtenden Bungalow wieder zusammenzuziehen, und die Fortführung der bestehenden Wirtschaftsgemeinschaft – also dass sie beide die Kosten für den Sohn und gemeinsame Unternehmungen getragen hatten.

Getrennte Konten, so die erfreulich moderne Meinung der Richter, seien im Übrigen heutzutage auch bei räumlich zusammen lebenden Eheleuten üblich (FG Münster, Urteil vom 22.2.2017, Az. 7 K 2441/15 E).

Weitere News zum Thema

  • Kindergeld: Aufhebung bei Doppelzahlungen

    [] Wird ein Angestellter verbeamtet – was beispielsweise bei Lehrern vorkommen kann – ändert sich die zuständige Familienkasse. Die jetzt nicht mehr zuständige Familienkasse der Arbeitsagentur darf dann die Kindergeldfestsetzung aufheben. mehr

  • Künstliche Befruchtung: ICSI unter Umständen abziehbar

    [] Aufwendungen für eine künstliche Befruchtung nach der ICSI-Methode können als außergewöhnliche Belastungen abziehbar sein, entschied der BFH. Voraussetzung ist, dass die Behandlung nach inländischen Maßstäben mit dem Embryonenschutzgesetz (ESchG) oder anderen Gesetzen vereinbar ist. mehr

  • Scheidungskosten nicht mehr als außergewöhnliche Belastung abziehbar!

    [] Scheidungskosten sind anders als nach der bisherigen Rechtsprechung aufgrund einer seit dem Jahr 2013 geltenden Neuregelung nicht mehr als außergewöhnliche Belastung abziehbar: Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass die Kosten eines Scheidungsverfahrens unter das neu eingeführte Abzugsverbot für Prozesskosten fallen. mehr

  • Kindergeld bei "mehraktiger Berufsausbildung"

    [] Kindergeld gibt es bis zum Abschluss des angestrebten Berufsziels, erklärt das FG Rheinland-Pfalz. Das ist wichtig für Eltern, deren Kinder eine mehraktige Ausbildung absolvieren. Aber was ist das eigentlich? mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.