Zivildienst und Altersgrenze: Wie lange gibt es Kindergeld?

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Kindergeld kann es über das 25. Lebensjahr des Kindes hinaus geben, wenn das Kind nach seinem 18. Geburtstag seinen Zivildienst geleistet hat. Hierbei unterschlagen viele Familienkassen zu Unrecht einen Monat.

Während des Zivildienstes Ihres Kindes gibt es kein Kindergeld. Deshalb schiebt sich die Altersgrenze um die Dienstdauer hinaus. Ausnahme: Rechnet der Zivildienst zur Ausbildung Ihres Kindes, dann haben Sie auch in dieser Zeit grundsätzlich Anspruch auf Kindergeld. In diesem Fall schiebt sich die Altergrenze nicht nach hinten. Das ist jedoch nur selten der Fall.

Sofern der Dienstbeginn damals mitten im laufenden Monat lag, kann es sein, dass die Familienkasse Ihnen einen Monat Kindergeld unterschlägt: Hat Ihr Kind sich in den Tagen vor seinem Dienstbeginn in Ausbildung oder in einer 4-Monats-Lücke befunden oder konnte es seine Ausbildung mangels Ausbildungsplatz nicht beginnen oder fortsetzen, dann haben Sie im Monat des Dienstbeginns aus diesem Grund noch Kindergeld bekommen.

 

In diesen Fällen kürzen viele Familienkassen die Anzahl der Dienstmonate um einen Monat. Nun muss der BFH in mehreren Revisionen klären, ob die Behörde das darf (BFH-Revisionen III R 4/10, III R 5/10, III R 16/10).

Die klagenden Eltern haben gute Karten, denn die gleiche Situation gab es früher auch beim Grundwehrdienst. Und da hat der BFH sich auf die Seite der Eltern gestellt (Urteil III R 88/07 vom 27.08.2008).

 

Beispiel:
Jan erblickt am 31.05.1985 das Licht der Welt. Er vollendet also am 30.05.2003 sein 18. Lebensjahr und am 30.05.2010 sein 25. Lebensjahr. Im Mai 2004 legt Jan sein Abitur ab und beginnt am 03.07.2004 seinen Grundwehrdienst, der bis in den April 2005 reicht.

Seine Eltern bekommen von Mai 1985 bis einschließlich Mai 2003 ohne weitere Voraussetzungen das Kindergeld für ein minderjähriges Kind.
Ab Juni 2003 muss Jan einen Berücksichtigungsgrund erfüllen und unter einer bestimmten Einkommensgrenze bleiben, damit seine Eltern weiter Kindergeld erhalten. Da Jan über keine eigenen Einkünfte und Bezüge verfügt, haben seine Eltern Anspruch auf Kindergeld

  • in den Monaten Juni 2003 bis einschl. Mai 2004 wegen Berufsausbildung und
  • in den Monaten Juni 2004 bis einschl. Juli 2004 wegen einer 4-Monats-Lücke.

Weil Jan in den Monaten Juli 2004 bis April 2005 seinen Zivildienst absolviert und während des Dienstes keinen Berücksichtigungsgrund erfüllt hat, schiebt sich die Altersgrenze um volle 10 Monate hinaus. Seine Eltern können also längstens bis einschließlich März 2011 Anspruch auf Kindergeld haben (Mai 2010 plus 10 Monate).

 

Steuertipp
Verweigert Ihnen die Familienkasse das Kindergeld für den letzten Monat (hier März 2003) mit der Begründung, dass Sie für den ersten Dienstmonat (hier Juli 1995) Kindergeld erhalten haben? Dann sollten Sie Einspruch einlegen, für den betroffenen Monat das Kindergeld fordern und mit Hinweis auf die BFH-Revisionen III R 4/10, III R 5/10 und III R 16/10 das Ruhen des Verfahrens beantragen.

 

Denken Sie daran, dass Sie später auch Einspruch gegen den Einkommenssteuerbescheid einlegen. Nur so sichern Sie sich die höchstmögliche Kinderförderung.

Handelt es sich bei dem umstrittenen Monat um den Januar? Dann zahlt sich das Kämpfen erst recht aus, denn der Kindergeldanspruch im Januar bringt Ihnen für das betroffene Jahr die Kinderermäßigung

Den Ausbildungsfreibetrag bekommen Sie, sofern Ihr Kind auswärts lebt - allerdings nur zeitanteilig für den betroffenen Monat. Außerdem gibt es die außersteuerlichen Vergünstigungen, insbesondere für Beamte.

 

Zwar ist der Dienstbeginn sowohl beim Grundwehrdienst als auch beim Zivildienst regelmäßig der 1. eines Monats, sodass diese Situation dadurch vermieden wird. Aber: Bei Zivildienst ist das erst seit dem 1.4.2008 der Fall. Es dauert also noch eine Weile, bis alle Kinder, deren Zivildienst bis einschließlich März 2008 begonnen hat, die Altersgrenze überschreiten. So lange müssen die betroffenen Eltern aufpassen, dass die Familienkasse keinen Monat unterschlägt.

 

Übrigens: Für die Monate des Zivildienstes, in denen Sie kein Kindergeld bekommen, kommt der Abzug von Unterhaltsleistungen als außergewöhnliche Belastungen infrage.

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