Kindergeld für ein volljähriges behindertes Kind

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Für ein über 25 bzw. 27 Jahre altes behindertes Kind können Eltern auch dann Kindergeld erhalten, wenn erst nach Erreichen der Altersgrenze klar wurde, dass das Kind seinen Lebensunterhalt nicht selbst finanzieren kann.

Der Fall: Eine Mutter beantragte für ihren volljährigen behinderten Sohn Kindergeld. Das Versorgungsamt hatte, bevor der junge Mann 27 Jahre alt geworden war, einen Grad der Minderung der Erwerbsfähigkeit (MdE) von 50 % bzw. 60 % festgestellt. Im Alter von 34 Jahre, war er eingeschränkt arbeitsfähig und vollschichtig einsetzbar. Als der Sohn 38 Jahre alt war, wurde vom Amtsarzt festgestellt, dass er auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt nicht arbeiten konnte.

Finanzamt und Finanzgericht waren der Auffassung, dass in diesem Fall kein Anspruch auf Kindergeld besteht. Argument: Nicht nur die Behinderung selbst, sondern auch die behinderungsbedingte Unfähigkeit zum Selbstunterhalt müsse vor der Vollendung des 27. bzw. 25. Lebensjahres eingetreten sein.

Der BFH entschied anders. Er verwies auf die Anweisungen der Finanzverwaltung sowie die regelung des § 32 Abs. 4 Satz 1 Nr. 3 EStG und erklärte, nur die Behinderung müsse vor Erreichen der Altersgrenze eingetreten sein. Die behinderungsbedingte Unfähigkeit, seinen eigenen Lebensunterhalt finanzieren zu können, darf auch später erst dazukommen. Daraus folgt, dass ein behindertes Kind sein Leben lang beim Kindergeld berücksichtigt werden kann (BFH, Urteil vom 9.6.2011, Az. III R 61/08).

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