Kindergeld: Der Besuch einer Missionsschule ist keine Berufsausbildung

 - 

Es handelt sich nicht um eine Berufsausbildung, wenn die Tätigkeit nicht der Vorbereitung auf einen konkret angestrebten Beruf dient, sondern der Erlangung sozialer Erfahrungen und der Stärkung des Verantwortungsbewusstseins für das Gemeinwohl.

Das hat das FG Münster im Fall eines 18jährigen jungen Mannes entschieden, der von seinen Eltern für insgesamt zehn Monate auf die Josia-Missionsschule, eine kirchliche Internatsschule in Isny im Allgäu, geschickt wurde. Es handelt sich dabei um eine Einrichtung der Freikirche der Siebenten-Tages-Adventisten in Baden-Württemberg.

Der Sohn strebe eine berufliche Tätigkeit im sozialen, theologischen oder gesundheitlichen Bereich an, erklärten die Eltern. Durch den Besuch der Schule würden auf einen Beruf in diesem Bereich vorbereitende Kenntnisse und Erfahrungen vermittelt. Die religiöse Ausrichtung oder die Formung der Persönlichkeit der Studierenden stehe hingegen nicht im Vordergrund.

Das Finanzgericht war anderer Auffassung: Der Schulbesuch diene nicht der Vorbereitung auf einen konkret angestrebten Beruf, erklärten die Richter. Entgegen der Auffassung der Eltern stehe unter Berücksichtigung der Lernziele und des Studienplans der Josia-Missionsschule die Persönlichkeits- und Charakterbildung im Sinne des Leitbilds der Schule im Vordergrund. Unter anderem würden dem Sohn ein christlicher Lebensstil, die Prinzipien Gottes für Freundschaft, Partnerschaft und Sexualität sowie biblische Prinzipien christlicher Musik vermittelt.

Nach den vorgelegten Unterlagen sowie den Angaben auf der schuleigenen Homepage zielten die vermittelten Inhalte darauf ab, die Studierenden zu aktiven und wertvollen Mitgliedern der Adventgemeinde auszubilden. Dem Sohn würden damit vorrangig nicht kindergeldrechtlich förderungswürdige allgemeine Erfahrungen vermittelt; den ebenfalls vermittelten und für eine spätere Tätigkeit in einem sozialen, theologischen oder gesundheitlichen Beruf geeigneten Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen komme kein ausreichendes Gewicht zu.

Die Eltern des jungen Mannes haben gegen das Urteil Revision beim Bundesfinanzhof eingelegt (FG Münster, Urteil vom 22.12.2017, Az. 4 K 3336/17; Az. der Revision beim BFH: III R 25/18).

Weitere News zum Thema

  • Medizinstudium: Approbation des Kindes steht Kindergeld nicht entgegen

    [] Für ein Kind, das sein Medizinstudium erfolgreich mit der Ärztlichen Prüfung abgeschlossen hat, kann dennoch weiterhin ein Anspruch auf Kindergeld bestehen, wenn es eine Qualifizierung zum Facharzt anstrebt und sich insofern in der Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befindet. Dies zeigt ein vom FG Thüringen entschiedener Fall. mehr

  • Kindergeld: Kein Zählkindervorteil bei Patchwork-Familie ohne Trauschein

    [] Leben die Eltern eines gemeinsamen Kindes in nichtehelicher Lebensgemeinschaft zusammen und sind in deren Haushalt auch zwei ältere, aus einer anderen Beziehung stammende Kinder eines Elternteils aufgenommen, erhält der andere Elternteil für das gemeinsame Kind nicht den erhöhten Kindergeldbetrag für ein drittes Kind. mehr

  • Kindergeld bei berufsbegleitendem Masterstudium

    [] Das FG Baden-Württemberg entschied: Eine erstmalige Berufsausbildung muss nicht bereits mit dem ersten (objektiv) berufsqualifizierenden Abschluss abgeschlossen sein. Das ist gut für Eltern, deren Kinder gerade ihren Master machen. mehr

  • BSG: Einmalzahlungen werden beim Elterngeld nicht berücksichtigt

    [] Strittig war jahrelang, wie Einmalzahlungen wie beispielsweise Weihnachts- und Urlaubsgeld bei der Bemessung des Elterngelds berücksichtigt und während des Elterngeld-Bezugs auf das Elterngeld angerechnet werden. Mit dem Urteil des Bundessozialgerichts (BSG) vom 8.3.2018 sind nun alle Konstellationen durchgeurteilt. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.