Kindergeld: Auslandsaufenthalt (auch) zum Erwerb von Sprachkenntnissen als Berufsausbildung

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Bezweckt ein Auslandsaufenthalt auch, ein gutes Ergebnis in einem für die Zulassung zum Studium erforderlichen Fremdsprachentest zu erlangen, so kann er als Berufsausbildung zu qualifizieren sein, selbst wenn kein theoretisch-systematischer Sprachunterricht von zehn Wochenstunden erreicht wird.

Dies hat der BFH entschieden und die Teilnahme an einem Trainingsprogramm der Jüngerschaftsschule in den USA als Berufsausbildung im Sinne des Kindergeldrechts eingestuft.

Der Sohn der Klägerin absolvierte nach seinem Abitur im Rahmen eines internationalen missionarischen Trainingsprogramm das Programm Discipleship Training School, zu Deutsch Jüngerschaftsschule, und hielt sich dabei in den USA auf, wo er vormittags jeweils an Lectures teilnahm und nachmittags Work Duties absolvierte (insgesamt 50 Stunden einschließlich Arbeitseinsätzen, Leseaufgaben und Lernkontrollen). Nach der Rückkehr aus den USA plante der Sohn der Klägerin, ein Studium der Rechtswissenschaften an der Bucerius Law School (BLS) in Hamburg aufzunehmen. Die beklagte Familienkasse nahm die Teilnahme des Sohnes der Klägerin an dem Trainingsprogramm zum Anlass, für diesen das Kindergeld zu streichen.

Die hiergegen gerichtete Klage hatte Erfolg. Der BFH bejahte einen Anspruch auf Kindergeld auch für den Zeitraum der Absolvierung des Programms. Die Teilnahme an dem Studienprogramm der Jüngerschaftsschule im englischsprachigen Ausland, die mit einer Verbesserung der Sprachkenntnisse verbunden war, habe für den Sohn der Klägerin eine Berufsausbildung dargestellt.

Bei der Prüfung, ob eine Berufsausbildung vorliegt, seien die konkreten beruflichen Pläne des Kindes zu beachten, betont der BFH. Der Sohn der Klägerin habe beabsichtigt, nach seinem Auslandsaufenthalt an der BLS zu studieren. Dementsprechend habe er sich nach seiner Rückkehr an der BLS beworben. Für die Aufnahme an dieser Universität sei die erfolgreiche Teilnahme an einem englischen Sprachtest erforderlich. Angesichts dessen bestand laut BFH objektiv ein konkreter Bezug zwischen der Verbesserung der Sprachkenntnisse durch einen Auslandsaufenthalt und dem angestrebten Beruf. Bezwecke der Auslandsaufenthalt – wie hier – auch, ein gutes Ergebnis in einem für die Zulassung zum Studium erforderlichen Fremdsprachentest zu erlangen, so könne er als Berufsausbildung zu qualifizieren sein, selbst wenn kein theoretisch-systematischer Sprachunterricht von zehn Wochenstunden erreicht werde, hebt der BFH hervor.

Der Erwerb der für den angestrebten Beruf erforderlichen erweiterten Fremdsprachenkenntnisse sei auch nicht allein dem ausbildungswilligen Sohn der Klägerin überlassen worden. An jedem werktäglichen Vormittag sei eine theoretische Wissensvermittlung (Lectures) in englischer Sprache erfolgt, die zusammen mit den praktischen Arbeiten (work duties) einschließlich der Lernkontrollen einen von der Schule vorgegebenen Zeitaufwand umfasst habe. Insoweit unterscheidet sich das Lernprogramm der Jüngerschaftsschule von einem Au-pair-Aufenthalt oder einem Freiwilligendienst im Ausland, der regelmäßig nicht von einer fortlaufenden theoretischen systematischen Wissensvermittlung in der Landessprache begleitet wird. Das Erfordernis eines theoretisch-systematischen Sprachunterrichts sei auch nicht dahin zu verstehen, dass ein spezieller Sprachkurs für Ausländer absolviert werden müsste. Ausreichend sei vielmehr ein allgemeinbildender fortlaufender theoretisch-systematischer Unterricht in englischer Sprache. Im vorliegenden Fall lassen nach Ansicht des BFH jedenfalls der sachliche und zeitliche Umfang des in englischer Sprache durchgeführten strukturierten Unterrichts und die Lernkontrollen den Schluss auf eine hinreichende qualitative Erweiterung der Fremdsprachenkenntnisse zu (BFH-Urteil vom 22.02.2017, Az. III R 3/16).

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