Kinderbetreuungskosten bis 2011: Kein Abzug bei Schwangerschaft der Mutter

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Bis 2011 waren die Voraussetzungen für den Abzug von Kinderbetreuungskosten strenger als ab 2012. So konnten z.B. die Kosten einer Tagesmutter nicht steuerlich geltend gemacht werden, wenn ein Elternteil erwerbstätig und der andere Elternteil schwanger war. Denn eine Schwangerschaft ist keine Krankheit im Sinne des damals geltenden Gesetzes.

Ein Rechtsanwalt und seine Frau hatten bereits ein Kind, als die Frau wieder schwanger wurde. Das ältere Kind wurde u.a. während der Schwangerschaft von einer Tagesmutter betreut. Die Kosten dafür machte das Paar in seiner Steuererklärung geltend.

Das Finanzamt erkannte die Aufwendungen jedoch nicht an, denn im fraglichen Jahr (2006) konnten solche Kinderbetreuungskosten nur dann abgesetzt werden, wenn bestimmte persönliche Voraussetzungen erfüllt wurden: Lebten beide Elternteile zusammen, dann musste, wenn einer der Elternteile erwerbstätig war, der andere Teil entweder ebenfalls erwerbstätig sein oder sich in Ausbildung befinden. Auch bei einer mindestens drei Monate andauernden Erkrankung oder einer Behinderung dieses Elternteils war der Abzug der Betreuungskosten zulässig.

Im vorliegenden Fall war der Vater als Rechtsanwalt berufstätig, die schwangere Ehefrau dagegen war weder berufstätig noch befand sie sich in einer Ausbildung. Bei ihrer Schwangerschaft handelt es sich auch nicht um eine Krankheit – das wäre nur dann der Fall, wenn während der Schwangerschaft gesundheitliche Komplikationen auftreten.

Der BFH folgte daher der Auffassung von Finanzamt und Finanzgericht: Die Kosten für die Kinderbetreuung waren zu Recht nicht anerkannt worden (BFH-Urteil vom 5.7.2012, III R 80/09 ).

Rechtslage ab 2012

Für Jahre ab 2012 ist es einfacher, Kosten für die Kinderbetreuung steuerlich geltend zu machen. Denn jetzt müssen keine persönlichen Voraussetzungen dafür mehr erfüllt werden – wird ein Kind betreut, dann sind die Kosten dafür steuerlich absetzbar: Kosten für die Kinderbetreuung können bis zu einer Höhe von zwei Dritteln, jedoch maximal bis 4.000 € je Kind als Sonderausgaben berücksichtigt werden. Ohne Bedeutung ist, ob die Kinderbetreuung erwerbsbedingt oder nicht erwerbsbedingt ist (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 EStG).

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