Kind in Ausbildung: Wie lange gibt es Kindergeld?

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Kindergeld gibt es bis zum Ende der Ausbildung – aber: wann ist das? Das FG Baden-Württemberg ist der Meinung, dass die Berufsausbildung nicht mit dem Zeitpunkt der Abschlussprüfung endet.

Die Richter stellten im Wesentlichen auf das im Ausbildungsvertrag genannte Ende ab. Auf den Zeitpunkt der Abschlussprüfung komme es nicht an, erklärten sie – ließen aber die Revision zu.

Um diesen Fall ging es:

Der Kläger beantragte Kindergeld für seine Tochter und gab an, dass deren Ausbildung zur staatlich anerkannten Heilerziehungspflegerin nach dem Schul- und Praxisvertrag am 31. August 2015 ende. Das Berufsausbildungsgesetz, meinte er, finde hier keine Anwendung; für die Ausbildung sei das entsprechende Schulgesetz des Landes maßgeblich.

Die Tochter bestand am 20. Juli 2015 die staatliche Abschlussprüfung. Die Schule bestätigte das Ausbildungsende zum 31. August 2015. Die Tochter erhielt im August 2015 noch eine Ausbildungsvergütung.

Im Ausbildungszeugnis wurde eine Ausbildung vom 1. September 2012 bis 31. August 2015 bescheinigt. Laut einer Urkunde des Landes Baden-Württemberg ist die Tochter mit Wirkung zum 1. September 2015 berechtigt, die Berufsbezeichnung staatlich anerkannte Heilerziehungspflegerin zu führen.

Die beklagte Familienkasse hob die Kindergeldfestsetzung jedoch bereits ab August 2015 auf und forderte für diesen Monat das Kindergeld zurück, da mit der bestandenen Abschlussprüfung, spätestens aber mit Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses, die Ausbildung beendet sei.

Das Finanzgericht entschied anders und gewährte dem Kläger Kindergeld für seine Tochter auch für den Monat August 2015. Die Berufsausbildung ende, wenn das Kind einen Ausbildungsstand erreicht habe, der es zur Berufsausübung nach dem angestrebten Berufsziel befähige, erklärten die Richter. Das Berufsziel sei zwar in der Regel mit Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse erreicht, doch im Streitfall sei zu diesem Zeitpunkt das Ausbildungsverhältnis noch nicht beendet gewesen. Nach dem für die Ausbildung geltenden Landesgesetz in Verbindung mit einer Verordnung dauere die Fachschulausbildung drei Jahre. Nach der Bescheinigung der Fachschule sowie dem Ausbildungszeugnis habe die Ausbildung am 31. August 2015 geendet.

Infolgedessen sei die Tochter im August 2015 noch praktisch ausgebildet worden und habe eine Ausbildungsvergütung erhalten. Hinzu komme, dass die Tochter erst ab 1. September 2015 befugt gewesen sei, ihre Berufsbezeichnung zu führen (FG Baden-Württemberg, Urteil vom 19.10.2016, Az. 7 K 407/16).

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