Kein Kindergeld während der Fortbildung zum Steuerfachwirt

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Durch das Bestehen der Prüfung zum Steuerfachangestellten wird die erstmalige Berufsausbildung abgeschlossen, entschied das FG Niedersachsen.

Die Richter erklärten weiter: Während der Fortbildung zum Steuerfachwirt steht die Erwerbtätigkeit des volljährigen Kindes in einer Steuerberaterkanzlei mit einer regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als 20 Stunden der Berücksichtigungsfähigkeit beim Kindergeld entgegen (FG Niedersachsen, Urteil vom 17.10.2017, Az. 13 K 76/17).

Mit diesem Urteil unterlag ein Vater vor Gericht, der für seine volljährige Tochter Kindergeld gezahlt bekommen wollte. Die Familienkasse hatte den Antrag abgelehnt, da keiner der in § 32 Abs. 4 Satz 1 EStG geregelten Berücksichtigungstatbestände erfüllt war. So sei die Tochter des Klägers im betroffenen Zeitraum nicht für einen Beruf ausgebildet worden. Unter Berufsausbildung im kindergeldrechtlichen Sinne sei nur die erstmalige Berufsausbildung zu verstehen. Diese habe die Tochter durch das Bestehen der Prüfung zur Steuerfachangestellten abgeschlossen. Bei einer Fortbildung zur Steuerfachwirtin handele es sich wie z.B. auch bei der Ausbildung und Prüfung zum/zur Meister/in in Handwerksberufen um eine Zweitausbildung

Die Richter bestätigten diese Auffassung mit Verweis auf die ständige Rechtsprechung des BFH. Danach sei für die Frage, ob bereits der erste (objektiv) berufsqualifizierende Abschluss in einem öffentlich-rechtlich geordneten Ausbildungsgang zum Verbrauch der Erstausbildung führe oder ob bei einer mehraktigen Ausbildung auch ein nachfolgender Abschluss in einem öffentlich-rechtlich geordneten Ausbildungsgang Teil der Erstausbildung sein könne, darauf abzustellen, ob sich der erste Abschluss als integrativer Bestandteil eines einheitlichen Ausbildungsgangs darstelle.

Insoweit komme es vor allem darauf an, ob die Ausbildungsabschnitte in einem engen sachlichen Zusammenhang (z.B. dieselbe Berufssparte, derselbe fachliche Bereich) zueinander stünden und in engem zeitlichen Zusammenhang durchgeführt würden. Hierfür sei auch erforderlich, dass aufgrund objektiver Beweisanzeichen erkennbar werde, dass das Kind die für sein angestrebtes Berufsziel erforderliche Ausbildung nicht bereits mit dem ersten erlangten Abschluss beendet habe.

Insgesamt kamen die Richter dabei zu dem Ergebnis, dass die Familienkasse zu Recht eine einheitliche Ausbildung verneint und damit die Fortbildung zur Steuerfachwirtin nicht mehr als Erstausbildung i.S. des § 32 Abs. 4 Satz 2 EStG angesehen habe. Es handle sich dabei vielmehr – wie auch die Bezeichnung der Prüfungsordnung (... Fortbildungsprüfung ...) nahelege – um eine die berufliche Erfahrung berücksichtigende Fortbildungsmaßnahme (Zweitausbildung). Die vor dem Beginn des zweiten Ausbildungsabschnitts erforderliche Berufstätigkeit führe somit zu einem Einschnitt (Zäsur), der den notwendigen engen Zusammenhang entfallen lasse.

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