Gibt es Kindergeld für magere Ausbildungsmonate, obwohl das Kind neben einer weiteren Ausbildung zuviel verdient?

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Kindergeld für ein volljähriges Kind in Ausbildung gibt es nur, wenn sein Einkommen in den Anspruchsmonaten insgesamt unter der maßgeblichen Grenze bleibt. So ist durch einen fetten Monat das gesamte Kindergeld bedroht. Darf das sein?

Die Monate, in denen ein volljähriges Kind einen Berücksichtigungsgrund erfüllt, fasst die Familienkasse zu einem einzigen Berücksichtigungszeitraum zusammen. Dann stellt sie die Einkünfte und Bezüge des Kindes aus dem Berücksichtigungszeitraum der maßgeblichen Einkommensgrenze gegenüber. Liegt das Einkommen unter der Grenze, dann gibt es Kindergeld. Liegt das Einkommen über der Grenze, dann gibt es kein Kindergeld (mehr zur Gegenüberstellung).

Nun kann es sein, dass ein Kind in Berufsausbildung in einigen Berücksichtigungsmonaten wenig oder gar nichts verdient, in anderen hingegen sehr viel. Das kommt insbesondere vor, wenn sich an einen Ausbildungsabschnitt berufsbegleitend ein weiter Ausbildungsabschnitt anschließt.

Das ist zum Beispiel so, wenn ein Kind nach dem Abitur an einer Berufsakademie studiert und durch die dazugehörige praktische Ausbildung zuviel verdient. Möglich ist das auch, wenn ein Kind im Laufe des Jahres seine betriebliche Ausbildung abschließt, danach im erlernten Beruf arbeitet und nebenberuflich studiert.

Führt der Job im erlernten Beruf zum Überschreiten der Einkommensgrenze, dann ist das Kindergeld futsch - und zwar auch für die finanziell mageren Monate der betrieblichen Ausbildung, in denen das Kind noch auf die Unterstützung durch die Eltern angewiesen war.

Diese Vorgehensweise hat das Finanzgericht Münster infrage gestellt. Es gewährt das Kindergeld bis zu Beendigung der betrieblichen Ausbildung (FG Münster, Urteil vom 20.5.2008, EFG 2008 S. 1808). Nun muss der BFH in der Revision III R 62/08 entscheiden, welche Vorgehensweise korrekt ist.

Steuertipp
Verweigert Ihre Familienkasse Ihnen in einer solchen Situation das Kindergeld für das gesamte Jahr? Dann legen Sie Einspruch ein und beantrage mit Hinweis auf die BFH-Revision III R 62/08 das Ruhen des Verfahrens. Dann warten Sie in Ruhe die Entscheidung des Gerichtes ab.

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