Ehepaare: Steuerklassenwechsel für mehr Elterngeld erlaubt?

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Treten Sie beruflich kürzer, weil Sie Nachwuchs bekommen haben? Dann gleicht das Elterngeld das entstandene Loch im Portemonnaie teilweise aus. Da es um das Nettoeinkommen geht, spielt die Wahl Ihrer Steuerklasse eine große Rolle.

Als Ehepaar wählen Sie Ihre Steuerklasse normalerweise so, dass Sie im laufenden Jahr möglichst wenig Lohnsteuer zahlen: Der besser verdienende Partner bekommt die günstige Steuerklasse III, der andere die ungünstige Klasse V. Werden Sie aber Eltern und legt der geringer verdienende Elternteil eine Babypause ein, sorgt die umgekehrte Steuerklassenwahl für mehr Elterngeld.

Bisher gab es mit der Familienkasse Stress, wenn Sie außer der Steigerung des Elterngeldes keinen anderen Grund für Ihre Steuerklassenwahl anführen konnten: Die Behörde ignoriert Ihre Wahl dann i.d.R. und zahlt einfach entsprechend weniger Geld aus.

Nun stellt sich Landessozialgericht (LSG) Nordrhein-Westfalen auf die Seite der Eltern und erkennt die "elterngeldoptimierte" Steuerklassenwahl an. Die Begründung: Hätte der Gesetzgeber diese Möglichkeit ausschließen wollen, hätte er das ins Gesetz geschrieben (LSG-Urteile vom 12.12.2008, Az. L 13 EG 40/08 und vom 16.01.2009 Az. L 13 EG 51/08)!

Allerdings ist das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen: Das LSG hat ausdrücklich die Revision beim Bundessozialgericht zugelassen. Und es ist auch damit zu rechnen, dass die unterlegenen Elterngeldkassen diesen Weg einschlagen werden.

Dennoch: Falls die Elterngeldkasse Ihre elterngeldoptimierte Wahl ignoriert, können Sie sich jetzt wehren. Weisen Sie die Elterngeldkasse auf die Urteile des LSG Nordrhein-Westfahlen hin und verlangen Sie die Auszahlung des vollen Elterngeldes.

Eine elterngeldoptimierte Steuerklassenwahl birgt aber auch Nachteile und Gefahren:

  • Sie müssen zunächst mit weniger Nettogehalt auskommen. Die zuviel gezahlte Lohnsteuer holen Sie sich mit der Steuererklärung aber wieder zurück.
  • Auch andere Lohnersatzleistungen richten sich nach dem Nettoeinkommen. Hat der Hauptverdiener der Familie die ungünstige Steuerklasse V und erwischt ihn die Arbeitslosigkeit oder eine längere Krankheit, geht der Schuss nach hinten los. Dann fallen Arbeitslosen- bzw. Krankengeld entsprechend gering aus.

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