Behindertes Kind: Anspruch auf Kindergeld trotz Erwerbstätigkeit

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Kindergeld für ein volljähriges Kind können Sie ohne Altersbeschränkung bekommen - allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen:

Die Behinderung muss

  • vor dem 25. Lebensjahr des Kindes eingetreten sein (bei Altfällen vor dem 27. Lebensjahr) und
  • ursächlich dafür sein, dass das Kind sich nicht selbst unterhalten kann.
Bei einem arbeitslos gemeldeten Kind ist der zweite Punkt schwer zu entscheiden: Ist das Kind wegen seiner Behinderung arbeitslos oder wegen der schlechten Arbeitsmarktsituation?

  • Bei einem Kind mit einem GdB von weniger als 50 ist davon auszugehen, dass die Behinderung nicht hauptursächlich für die Arbeitslosigkeit ist. Ist dagegen Hilflosigkeit festgestellt (Merkmal »H«), dann besteht kein Zweifel, dass die Behinderung ursächlich ist.
  • Bei einem GdB von mindestens 50 ohne Hilflosigkeit müssen besondere Umstände hinzukommen, damit die Behinderung für die Arbeitslosigkeit als ursächlich anzusehen ist. Hier müssen die Finanzbehörden anhand des Gesamtbildes des Einzelfalles entscheiden: Nach Ansicht des BFH ist zum Beispiel eine nicht behindertenspezifische Berufsausbildung Indiz dafür, dass die Behinderung nicht ursächlich ist. Auch ein ärztliches Gutachten, ob und in welchem Umfang ein Kind eine Beschäftigung ausüben kann, kommt als Indiz infrage.

 

Steuertipp
Lassen Sie sich aber nicht zu schnell abwimmeln. Schafft es die Agentur für Arbeit mittelfristig nicht, das Kind zu vermitteln, dann spricht das wiederum dafür, dass das Kind sich aufgrund der Behinderung nicht selbst unterhalten kann.

 


Aber selbst wenn davon auszugehen ist, dass die Behinderung nicht Hauptursache für die Arbeitslosigkeit ist, kann es Kindergeld geben. Dann kommt es darauf an, ob das Kind seinen gesamten Lebensunterhalt mit einer seiner Behinderung entsprechenden Erwerbstätigkeit decken könnte. Falls nicht, gibt es weiter Kindergeld (BFH-Urteil vom 22. 10. 2009, Az. III R 50/07, BFH/NV 2010 S. 716).

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