"Viva la Vida" oder "Einen Cuba Libre auf die Liebe!" (Teil 2)

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"Den Tabak kann man nicht einfach pflanzen, man muss ihn heiraten", sagt ein kubanisches Sprichwort. Für Nichtraucher wie unsere Kollegin Jenny gilt: Es darf auch ein Kubaner sein...

Im ersten Teil haben wir darüber berichtet, wie Jenny während eines Kurzurlaubs auf Kuba ihren Ehemann Lester kennen- und lieben lernte. Heute leben die beiden zusammen in Deutschland und Lester unterstützt von seinem Gehalt die Mutter, die als Lehrerin mit einem Einkommen von gerade mal 21,- € über die Runden kommen muss.

Um diese Unterstützung steuerlich geltend zu machen, bedarf es einer unwegsamen Reise durch den deutschen Steuerdschungel. Davon handelt Teil 2 unseres Berichts.

"Bei Unterhaltszahlungen ins Ausland trifft mich als Steuerzahlerin eine sogenannte erhöhte Mitwirkungspflicht. Ich trage die Beweislast und muss amtlich vorgeschriebene Beweismittel und Unterlagen auf eigene Kosten beibringen", klagt Jenny über die Behörden.

Oldtimer in Havannas Altstadt: Farbenfrohe Straßenkreuzer aus den Fünfzigern, Foto: privat

Schritt 1: Den Anspruch klären

Voraussetzung für die steuerliche Absetzbarkeit ist es, dass die unterstützte Person einen gesetzlichen Unterhaltsanspruch gegen den Unterstützer hat. Das ist bei Lester und seiner Mutter ohne Zweifel der Fall, denn: So ein Anspruch besteht gegenüber Ehegatten, Kindern, Eltern und Großeltern. Nachweisen lässt sich der Anspruch relativ einfach: mit einer Geburtsurkunde.

Schritt 2: Die Bedürftigkeit nachweisen

Lester musste für seine Mutter nachweisen, dass sie "unterstützungsbedürftig" ist. Diese Bedürftigkeit hängt von der Höhe des Vermögens sowie der Einkünfte und Bezüge der unterstützten Person ab.

Generell gilt: Der Unterhaltsberechtigte, in diesem Fall also Lesters Mutter, gilt als bedürftig, wenn er außerstande ist, sich selbst zu unterhalten. Das Problem: Die Bedürftigkeit muss durch eine amtliche Bescheinigung der Heimatbehörde nachgewiesen werden.

Jenny und Lester fragten sich natürlich, wo sie eine solche Bescheinigung herbekommen. Als Heimatbehörde kam nur das Meldeamt auf Kuba infrage. Und mit einem deutschen Formular können die Beamten vor Ort natürlich nicht viel anfangen.

"Das Problem konnten wir noch relativ einfach lösen," meint Jenny. "Für die gängigsten Sprachen, dazu zählt Spanisch ja glücklicherweise, gibt es inzwischen gemeinsam abgestimmte Vordrucke. Die sind zweisprachig und können ganz einfach im Internet heruntergeladen werden".

Etwas komplizierter war es dann, sich im Formular-Management-System der Bundesfinanzverwaltung zurecht zu finden. Woher sollten die beiden wissen, welchen Namen das notwendige Formular hat. "Die Meldebehörde wusste Rat", seufzt Jenny. Vom "Formularcenter" unter www.formulare-bfinv.de klickten sie sich zu "Formulare A–Z", wählten den Buchstaben "U" und landeten schließlich bei den "Unterhaltserklärungen". Dort fand sich das gewünschte Formular.

Armut und Ché: Lebenslustige Menschen, aber auch große Armut, Foto: privat

Schritt 3: Nachweis der Zahlungen

"Ist die Hürde der Bedürftigkeit gemeistert, musst du nachweisen, dass du die Zahlungen tatsächlich geleistet hast. Das gelingt am besten, wenn du das Geld überweist," empfiehlt Jenny. Einen Tipp hat sie auch noch parat: "Das Finanzamt erkennt nur Überweisungen auf Konten an, die auf den Namen der unterstützten Person laufen. Existiert so ein Konto nicht, dann kann man das Geld auch bei einem Heimaturlaub in bar mitnehmen".

Achtung: Zwischen dem Abheben des Gelds (Kontoauszug erforderlich) und der Übergabe (Empfangsbestätigung erforderlich) dürfen maximal zwei Wochen liegen. Zudem müssen Sie anhand von Fahrkarten, Visa-Stempeln usw. nachweisen, dass Sie die Reise tatsächlich unternommen haben.

Auch damit ist es noch nicht getan, denn das deutsche Steuerrecht hat noch mehr Bedingungen in petto: Die Empfangsbestätigung muss Name und Anschrift des Unterhaltszahlers und der unterstützten Person enthalten, Ort und Zeitpunkt der Geldübergabe und die Unterschrift des Empfängers. Das gilt natürlich für jede Zahlung, Sammelbelege akzeptiert das Finanzamt nicht.

Der Lohn der Mühe

Für Unterhaltszahlungen ins Ausland gilt ein Höchstbetrag. Das Bundesfinanzministerium hat dafür alle Länder in vier Gruppen aufgeteilt. Je nach Eingruppierung sind 2019 in Gruppe eins maximal 9.168,- € (100 %), in Gruppe zwei 6.875,- € (75 %), in Gruppe drei 4.584,- € (50 %) und in Gruppe vier 2.292,- € (25 %) abziehbar.

Da Kuba zu Gruppe drei in der Länderliste gehört, gilt also ein Höchstbetrag von 4.584,- €.

Happy End mit der SteuerSparErklärung

Nachdem alle Voraussetzungen geklärt und erfüllt sind, bleibt nur noch, die Unterhaltsleistungen samt aller Bescheinigungen bei der Steuererklärung zu berücksichtigen. In der "Anlage Unterhalt" tragen Sie alle zusammengesammelten Informationen ein, zusätzlich die Anzahl der abgegebenen Anlagen auf Seite 3 des Hauptformulars, dem Mantelbogen). Das funktioniert mit der SteuerSparErklärung ganz einfach.

Ende gut, Steuererstattung gut, alles gut. Jenny und Lester sind zufrieden: "Leicht machen es einem die Behörden nicht, aber wenn man erstmal alles zusammen hat, dann freuen sich eigentlich alle".

(CR)

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