Gassi-Gehen mit Beteiligung des Fiskus: Hundebesitzer können Steuern sparen

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Nicht jeder Hundebesitzer hat regelmäßig Zeit, mit seinem Hund Gassi zu gehen – und manche Senioren sind hierzu körperlich nicht mehr in der Lage. Gut zu wissen: Wer das Ausführen seines Hundes etwa einem Nachbarkind oder einem Nachbarn überlässt und ihn dafür entlohnt, kann die Aufwendungen hierfür als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen, entschied das Finanzgericht Hessen (Az. 12 K 902/16).

Wer in einer Internet-Suchmaschine »Gassi-Service« oder ähnliche Begriffe eingibt, landet etliche Treffer. Mit »Dein Hund und Ich« wird dort beispielsweise für einen Ausgehservice geworben. Für die Einzelstunde werden hier 16,50 € berechnet. Wie viel die Ausgehstunde im Verfahren, über das das Finanzgericht Hessen entschied, kostete, ist nicht bekannt.

Das Gericht befand jedenfalls, dass für den vom Kläger in Anspruch genommenen Gassi-Service in den Jahren 2013 und 2014 haushaltsnahe Dienstleistungen in Höhe von insgesamt 3.600,– € steuerlich zu berücksichtigen waren. 20% davon sind von der Steuerlast abziehbar. Damit hat sich der Fiskus mit 720,– € am Gassi-Gehen beteiligt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig.

Im Haushalt fallen viele Arbeiten an, die Familienmitglieder meist selbst erledigen wie Kochen, Kehren und Fensterputzen. Wenn man solche Arbeiten an eine Firma oder einen Selbstständigen vergibt, handelt es sich um haushaltsnahe Dienstleistungen und man kann kräftig Steuern sparen – und zwar bis zu 4.000,– € im Jahr. 20 % der Kosten kann man von der Steuer erstattet bekommen. Gefördert werden damit Ausgaben von bis zu 20.000,– €.

Der Begriff »haushaltsnahe Dienstleistung« ist gesetzlich nicht näher bestimmt. Nach der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs müssen die Leistungen eine hinreichende Nähe zur Haushaltsführung aufweisen bzw. damit im Zusammenhang stehen. Dazu gehören hauswirtschaftliche Verrichtungen, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts oder entsprechend Beschäftigte erledigt werden und in regelmäßigen Abständen anfallen.

Unter Zugrundelegung dieser Grundsätze sah das FG Hessen auch die Leistungen, die für die Versorgung und Betreuung eines in den Haushalt des Steuerpflichtigen aufgenommenen Hundes erbracht werden, grundsätzlich als haushaltsnah an: »Denn Tätigkeiten wie Füttern, die Fellpflege, das Ausführen und die sonstige Beschäftigung des Hundes fallen regelmäßig an und werden typischerweise durch den Steuerpflichtigen selbst oder andere Haushaltsangehörige erledigt«, so das FG.

Fraglich ist allenfalls, ob alles, was mit dem »Gassi-gehen« zu tun hat, »im« Haushalt des Steuerpflichtigen erfolgt. Denn klar ist, dass das Gassi-Gehen – sieht man von großzügigen Villen-Grundstücken ab – außerhalb der Grundstücksgrenzen des Steuerzahlers erfolgt. Das FG Hessen sieht hier die Lösung darin, den Begriff »im Haushalt« räumlich-funktional auszulegen. Beim Gassi-Gehen handele »es sich um eine Leistung mit einem unmittelbar räumlichen Bezug zum Haushalt, die dem Haushalt (dem haushaltszugehörigen Tier) dient«.

Auch das Bundesfinanzministerium hat sich dieser Auffassung wohl angeschlossen. So heißt es im BMF-Schreiben vom 9.11.2016: »Wer seine Haustiere zu Hause versorgen und betreuen lässt, wird in Zukunft auch von dem Steuervorteil des § 35a EStG profitieren, da Tätigkeiten wie das Füttern, die Fellpflege, das Ausführen und die sonstige Beschäftigung des Tieres als haushaltsnahe Dienstleistungen anerkannt werden können.«

Wichtig zu wissen ist allerdings: Der Bundesfinanzhof hat die Nichtzulassungsbeschwerde gegen das Urteil des FG Hessen akzeptiert und will somit die Behandlung der Gassi-Frage als oberstes Finanzgericht endgültig klären. Als Hundebesitzer sollten Sie die (überwiesenen) Kosten für das Gassi-Gehen in Ihrer Steuererklärung angeben.

Lehnt das Finanzamt die Anerkennung der Kosten ab, sollten Sie Einspruch einlegen und sich auf das Urteil des FG Hessen beziehen. Für den Fall, dass das Finanzamt Ihrem Einspruch nicht folgen will, sollten Sie beantragen das Verfahren nach § 363 Abs. 2 Abgabenordnung ruhen zu lassen. Denn die Entscheidung über die »Gassi-Frage« ist beim BFH anhängig (Az. VI B 25/17).

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