Vermietung: Nachträgliche Schuldzinsen als Werbungskosten?

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Nachträgliche Schuldzinsen dürfen bei Einkünften aus Vermietung und Verpachtung eigentlich nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden. Das FG Düsseldorf zweifelt an der Rechtmäßigkeit dieser Bestimmung.

Im entschiedenen Fall hatte die Antragstellerin eine von ihr erworbene Immobilie mit einem Bankkredit finanzierte. Die Immobilie wurde später zwangsversteigert. Mit dem Erlös aus der Versteigerung konnte sie den Kredit aber nicht komplett zurückzahlen.

Das Finanzamt lehnte die Berücksichtigung der von der Antragstellerin in der Folge gezahlten Schuldzinsen als Werbungskosten ab.

Damit folgte es zwar der bisherigen Rechtsprechung des BFH, stieß aber dennoch auf Unverständnis bei den Richtern des FG Düsseldorf. Diese setzten jetzt die Vollziehung des Steuerbescheides aus. Denn möglicherweise findet beim BFH gerade ein Umdenken statt – jedenfalls ist ein entsprechendes Verfahren vor dem BFH anhängig: Unter dem Aktenzeichen IX R 67/10 soll geklärt werden, ob Schuldzinsen nach der Veräußerung einer Immobilie als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung abgezogen werden können.

Außerdem, dies war ein weiteres Argument der Antragstellerin, hat der BFH schon am 16.3.2010 (Az. VIII R 20/08) entschieden, dass bei Beteiligungseinkünften Zinsen auch in den Zeiträumen nach der Veräußerung der Beteiligung als Werbungskosten abzuziehen sein können.

Die Richter in Düsseldorf fügten dieser Argumentation noch hinzu, dass auch in der Literatur Bedenken gegen die Nichtberücksichtigung von nachträglichen Schuldzinsen bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung geäußert worden seien (FG Düsseldorf, Beschluss vom 30.5.2011, Az. 9 V 1474/11). Nun gilt es also, die Entscheidung des BFH abzuwarten.

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