Vermieter: Wann sind Fahrtkosten voll abziehbar?

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Als Vermieter schauen Sie regelmäßig bei den von Ihnen vermieteten Immobilien vorbei. Wann diese Fahrtkosten mit 30 Cent pro Kilometer abziehbar sind und wann Sie nur die Entfernungspauschale bei den Werbungskosten geltend machen dürfen, erklärt der BFH.

Die Richter stellten klar: Vermieter können Fahrtkosten zu ihren Vermietungsobjekten im Regelfall mit einer Pauschale von 0,30 € für jeden gefahrenen Kilometer als Werbungskosten geltend machen. Die ungünstigere Entfernungspauschale (0,30 € nur für jeden Entfernungskilometer) ist aber dann anzuwenden, wenn das Vermietungsobjekt ausnahmsweise die regelmäßige Tätigkeitsstätte des Vermieters ist.

Wann wird die vermietete Immobilie zur regelmäßigen Tätigkeitsstätte?

Die Tätigkeit eines Steuerpflichtigen zur Erzielung von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung besteht im Wesentlichen in der Verwaltung seines Grundbesitzes. Bei nicht umfangreichem Grundbesitz erfordert diese Verwaltung in der Regel keine besonderen Einrichtungen, wie z.B. ein Büro, sondern erfolgt regelmäßig von der Wohnung des Steuerpflichtigen aus. Regelmäßige Tätigkeitsstätte ist dann die Wohnung des Steuerpflichtigen. Aufwendungen für gelegentliche Fahrten zu dem vermieteten Grundstück dürfen mit 30 Cent pro Kilometer der Hin- und Rückfahrt geltend gemacht werden.

Sucht der Vermieter hingegen ein Vermietungsobjekt nicht nur gelegentlich, sondern mit einer gewissen Nachhaltigkeit, also fortdauernd und immer wieder auf, und wird er dort schwerpunktmäßig tätig, unterhält er --vergleichbar einem Arbeitnehmer-- eine regelmäßige Tätigkeitstätte am Ort des Vermietungsobjekts. Denn dann wird dieses Objekt zum Mittelpunkt seiner auf dieses Objekt bezogenen Vermietungstätigkeit. Es ist dem Vermieter dann möglich, sich auf die immer gleichen Wege einzustellen und die anfallenden Wegekosten, z.B. durch die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, gering zu halten. Die Folge: Aufwendungen für Fahrten zu dem vermieteten Grundstück dürfen dann nur mit der Entfernungspauschale geltend gemacht werden, es gibt also nur 30 Cent für jeden Kilometer der einfachen Strecke.

Darum ging es vor dem BFH

Im Streitfall hatte der Steuerpflichtige mehrere Wohnungen und ein Mehrfamilienhaus saniert und suchte die hierfür eingerichteten Baustellen 165-mal bzw. 215-mal im Jahr auf. Aufgrund der Vielzahl der Fahrten zu den beiden Objekten war das Finanzamt zu dem Ergebnis gekommen, dass der Steuerpflichtige am Ort der Vermietungsobjekte seine regelmäßige Tätigkeitsstätte habe. Die Fahrtkosten waren daher nach Ansicht des Finanzamts nur in Höhe der Entfernungspauschale abziehbar. Der BFH gab dem Finanzamt Recht (BFH-Urteil vom 1.12.2015, IX R 18/15 ).

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