Überkreuzvermietung: Nicht immer liegt ein Gestaltungsmissbrauch vor

 - 

Bei einer Überkreuzvermietung kommt es zur gegenseitigen Vermietung einer Immobilie, in der Regel zwischen Verwandten. Der Fiskus sieht hier meist einen steuerlichen Gestaltungsmissbrauch und erkennt keine Werbungskosten an – allerdings nicht immer.

Werbungskosten bei Vermietung und Verpachtung

Aufwendungen, die mit einer Immobilie im Zusammenhang stehen, werden nur dann als Werbungskosten anerkannt, wenn die Immobilie zur Erzielung von Einkünften (Vermietung) genutzt wird. Die Eigennutzung einer Immobilie führt dagegen nicht zu abzugsfähigen Werbungskosten.

So sieht eine Überkreuzvermietung aus

  • Person A ist Eigentümer einer Immobilie. Diese bewohnt sie nicht selbst, sondern vermietet sie an Person B.

  • Person B ist ebenfalls Eigentümer einer Immobilie. Sie vermietet ihre Immobilie an Person A.

Werbungskosten bei Überkreuzvermietung

Mit einer Überkreuzvermietung entstehen zwar grundsätzlich abzugsfähige Werbungskosten. Wenn für eine Überkreuzvermietung keine nachvollziehbaren wirtschaftlichen Gründe vorgebracht werden können, spricht der Fiskus von einem steuerlichen Gestaltungsmissbrauch (§ 42 AO) und erkennt keine Werbungskosten an. So war es beispielsweise auch bei einem vom FG Köln entschiedenen Fall (FG Köln vom 22.9.2011, 6 K 2057/08 ; Az. der Revision IX R 18/12).

Wann werden Werbungskosten bei Überkreuzvermietung anerkannt?

Nicht immer ist eine Überkreuzvermietung ein steuerlicher Gestaltungsmissbrauch. Das Finanzamt erkennt Werbungskosten bei einer Überkreuzvermietung an, wenn

  • die beiden Wohnobjekte weit entfernt voneinander liegen,

  • die beiden Wohnobjekte unterschiedlich groß sind und

  • die bewohnte Immobilie eher den Bedürfnissen des Nutzers entspricht als die eigene Immobilie (z.B. kürzerer Weg zur Arbeit).

Beispiel:

In einem Mehrfamilienhaus kaufen Sie eine Zweizimmerwohnung, Ihre verwitwete Mutter kauft eine Dreizimmerwohnung. Während die Immobilie gebaut wird, werden Sie schwanger und möchten eine größere Wohnung beziehen. Als das Haus fertig ist, zieht daher Ihre Mutter in die Zweizimmerwohnung und vermietet die Dreizimmerwohnung an Sie und Ihren Nachwuchs. Hier gibt es eindeutig nichtsteuerliche Gründe für die Überkreuzvermietung.

Weitere News zum Thema
  • [] Um die Grundsteuer verfassungskonform auszugestalten, müssen rund 36 Mio Einheiten in neu bewertet werden – unabhängig davon, welches Modell der Grundsteuer gewählt wird. Das bestätigte die Bundesregierung auf eine entsprechende Kleine Anfrage der FDP-Fraktion. mehr

  • [] Sie ziehen um und möchten Herd, Backofen und Waschmaschine von einem Handwerker ausbauen lassen? Dann vergessen Sie nicht, die Kosten in Ihrer Steuererklärung anzugeben! mehr

  • [] Der Bundesrat hat den Sonderabschreibungen beim Mietwohnungsneubau zugestimmt. Künftig können in den ersten vier Jahren 28% der Anschaffungs- und Herstellungskosten einer neuen Mietwohnung steuerlich abgeschrieben werden. mehr

  • [] Die Große Koalition hat sich in Sachen Grundsteuer geeinigt. Inzwischen sind auch die Gesetzentwürfe bekannt. Die Neuregelung behält das kommunale Hebesatzrecht bei und soll das derzeitige Aufkommensniveau sichern. mehr

  • [] Die Große Koalition hat sich in Sachen Grundsteuer geeinigt, aber noch keine Details zur Neuregelung bekannt gegeben. Das berichten übereinstimmend mehrere Medien. mehr

Weitere News zum Thema