BFH: Rückabgewickelter Kaufvertrag ist kein Spekulationsgeschäft

 - 

Wird der Kaufvertrag über eine noch zu bauende Eigentumswohnung rückabgewickelt, ist das kein Spekulationsgeschäft. Es »droht« in diesem Fall auch keine Spekulationssteuer, so der BFH.

In dem konkreten Fall ging es um den Kauf einer noch zu errichtenden Eigentumswohnung. Der Kaufpreis war entsprechend dem Baufortschritt zu zahlen, jedoch erst mit der Eintragung der Auflassungsvormerkung im Grundbuch fällig. Die Wohnung wurde fertig gestellt und dann vermietet.

Gut zwei Jahre später forderten die Immobilienbesitzer den Bauträger auf, die Auflassungsvormerkung zu ihren Gunsten eintragen zu lassen. Dies lehnte der Bauträger ab, obwohl die Bauherren Schadensersatzansprüche androhten. Als der Bauträger schließlich insolvent wurde, forderten die Immobilienbesitzer vom Bürgen, einer Bank, Schadensersatz in Höhe des Kaufpreises. Daraufhin zahlten die Bank an die Kläger den Kaufpreis Zug um Zug gegen die Herausgabe der Wohnung.

Das Finanzamt sah darin ein steuerpflichtiges privates Veräußerungsgeschäft. Es ermittelte einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn in Höhe der seit Vermietungsbeginn in Anspruch genommenen Abschreibung.

Dem widerspricht der BFH in einem aktuellen Urteil vom 27.6.2006 (Aktenzeichen IX R 47/04, Deutsches Steuerrecht 2006 S. 1835). Begründung der Richter: Die Rückabwicklung beseitigt nur die Folgen der fehlgeschlagenen Anschaffung. Die Rückgabe der Wohnungen sei keine neue Veräußerung. Außerdem habe der Immobilienbesitzer keine Einkunftserzielungsabsicht. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass der Bauherr bereits Mieteinnahmen erzielt sowie Werbungskosten in Form von Betriebskosten und AfA geltend gemacht hat.

Hinweis: Diese Entscheidung ist nachteilig, wenn Sie ein fehlgeschlagenes Geschäft mit Verlust abschließen, was häufig der Fall sein dürfte. Denn Sie bleiben als Konsequenz innerhalb der Spekulationsfrist auf Ihrem Verlust sitzen.


Weitere Informationen zum Thema »Haus- und Grundbesitz« finden Sie im »Steuer-Spar-Berater«.

Weitere News zum Thema

  • Verfassungsrichter kippen Einheitsbewertung bei Grundsteuer

    [] Die Einheitsbewertung von Grundstücken und Immobilien in den alten“ Bundesländern seit Anfang 2002 ist mit dem allgemeinen Gleichheitssatz unvereinbar und damit verfassungswidrig. Damit kann die Grundsteuer nicht mehr in der bisherigen Form erhoben werden. So hat es das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden (Urteil vom 10.4.2018 - 1 BvL 11/14, 1 BvL 12/14, 1 BvL 1/15, 1 BvR 639/11, 1 BvR 889/12). mehr

  • Biberschaden im Garten ist nicht steuerlich abziehbar

    [] Die Kosten für die Errichtung einer Bibersperre und zur Beseitigung von Biberschäden im Garten können in der Steuererklärung nicht als außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden. Das hat das FG Köln entschieden. mehr

  • BGH: Exorbitante Stromrechnung nicht bezahlen

    [] Bei einer Nachforderung vom mehr als 9.000 Euro Heizkosten für eine 94 Quadratmeter große Wohnung darf laut Bundesgerichtshof (BGH) der Stromkunde die Zahlung ausnahmsweise vorläufig verweigern, bis die Rechtmäßigkeit der Forderung geklärt ist. mehr

  • Anliegerbeiträge zum Straßenausbau absetzbar?

    [] Rund um Straßenbau, Erschließungskosten, Anschlusskosten und Straßenlaternen werden Anwohner zur Kasse gebeten. Lassen sich diese Kosten wenigstens im Rahmen der Handwerkerkosten und haushaltsnahen Dienstleistungen in der Steuererklärung angeben? Die Gerichte sind uneins – hier eine Übersicht. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.