Privater Immobilienverkauf: Nachträgliche Schuldzinsen als Werbungskosten absetzen

 - 

Der BFH wird großzügiger und lässt bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung den Abzug von Werbungskosten für nachträgliche Schuldzinsen zu.

Schuldzinsen für ein Darlehen, das ursprünglich zur Finanzierung von Anschaffungskosten einer zur Vermietung bestimmten Immobilie aufgenommen wurde, dürfen grundsätzlich auch dann noch als nachträgliche Werbungskosten bei den Einkünften aus Vermietung und Verpachtung abgezogen werden, wenn das Gebäude verkauft wird und der Veräußerungserlös nicht ausreicht, um die Darlehensverbindlichkeit zu tilgen (BFH-Urteil vom 20.6.2012, IX R 67/10 ).

Mit diesem Urteil weicht der BFH von seiner bisherigen Rechtsprechung ab und lässt den Abzug von Schuldzinsen als nachträgliche Werbungskosten nach dem Verkauf einer Immobilie zu.

Längere Spekulationsfrist liefert den Richtern das Argument

Zur Begründung verwiesen die Richter auf eine Änderung des Einkommensteuergesetzes: Seit 1999 gilt für Immobilien eine Spekulationsfrist von zehn Jahren – vorher waren es nur zwei Jahre gewesen. Da das Finanzamt also deutlich länger Zugriff auf den Erlös aus einem Immobilienverkauf hat, muss es auch länger (nachträgliche) Werbungskosten anerkennen. Dies sei nur konsequent, urteilte der BFH.

Im Urteilsfall lagen zwischen Kauf und Verkauf sieben Jahre. Offen blieb allerdings, was passiert, wenn zwischen Kauf und Verkauf der Immobilien mehr als zehn Jahre liegen. Die Frage, was dann mit nachträglichen Werbungskosten passiert, wird vermutlich auch irgendwann vor Gericht landen.

Hintergrund:

Im Ausgangsfall war eine Immobilie mit einem Bankkredit finanziert worden. Die Immobilie wurde später zwangsversteigert. Mit dem Erlös aus der Versteigerung konnte der Kredit aber nicht komplett zurückgezahlt werden.

Das Finanzamt lehnte die Berücksichtigung der in der Folge gezahlten Schuldzinsen als Werbungskosten ab. Damit folgte es zwar der bisherigen Rechtsprechung des BFH, stieß aber auf Unverständnis bei den Richtern des FG Düsseldorf. Diese setzten die Vollziehung des Steuerbescheides aus.

Weitere News zum Thema

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.