Handwerkerleistung in Werkstatt ausgeführt: kein Steuerbonus

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Nimmt ein Schreiner eine zu renovierende Haustür mit in seine Werkstatt, um sie dort zu bearbeiten, gibt es für den Auftraggeber keinen Steuerabzug nach § 35a EStG.

Wann eine Handwerkerleistung im Haushalt des Steuerpflichtigen ausgeführt wurde, ist schon oft Streitgegenstand vor den Gerichten gewesen. So streng wie am Anfang sind die Richter nicht mehr – sobald ein räumlich-funktionaler Zusammenhang gegeben ist, soll der Steuerbonus gewährt werden. Diese Auffassung geht hervor aus einem BFH-Urteil aus dem Jahr 2014. Damals wurde entschieden, dass auch en Hausanschluss, der im öffentlichen Straßenraum verläuft, zum Haushalt gehört (BFH-Urteil vom 20.3.2014, Az. VI R 56/12). Im entschiedenen Fall war der Haushalt des Steuerpflichtigen nachträglich an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen worden.

Schreinerarbeiten in der Werkstatt finden nicht im Haushalt statt

Jetzt wird also häufig darüber gestritten, wie weit der räumlich-funktionale Zusammenhang geht. So auch in einem Fall, den das FG Nürnberg entschied:

Ein Ehepaar ließ seine Wohnungstür renovieren. Der Schreiner nahm die Tür mit in seine Werkstatt, um die erforderlichen Arbeiten dort durchzuführen. Das Ehepaar gab die entstandenen Arbeitskosten in seiner Steuererklärung an und beantragte den Steuerbonus für Handwerkerleistungen.

Das Finanzamt erkannte die Kosten nicht an. Daraufhin argumentierte das Ehepaar sinngemäß:

  • Eine unterschiedliche Behandlung von Kosten für Arbeiten am/im Haus und in der Werkstatt des Handwerkers sei nicht nachvollziehbar. Denn hätte der Schreiner in der Garage auf dem Grundstück des Ehepaares gearbeitet, wären die Kosten anerkannt worden.

  • Die Aufteilung der Arbeitskosten in der Rechnung nach im Haus ausgeführt (z-.B. Montage der Tür) und in der Werkstatt ausgeführt sei nicht praktikabel.

  • Die Differenzierung zwischen den Orten, an denen die einzelnen Werkleistungen erbracht würden, provoziere geradezu missbräuchliche Gestaltungen und insbesondere auch die Stellung von Rechnungen, in denen die auf die Tätigkeiten am Haus entfallenden Arbeitsstunden nicht korrekt angegeben werden würden.

Das Ehepaar unterstellte hier im letzten Punkt also quasi (anderen) Handwerkern und Auftraggebern Betrug...

Von der fragwürdigen Auffassung hinsichtlich Moral und Anstand seiner Mitmenschen mal abgesehen, zog das Paar auch vor Gericht den Kürzeren: Handwerkerleistungen, die in der Werkstatt des Handwerkers durchgeführt werden, werden steuerlich nicht begünstigt. Dabei bleibt es auch nach diesem Urteil (FG Nürnberg, Urteil vom 4.8.2017, Az. 4 K 16/17).

Die Richter erklärten: Nicht jedwede Verknüpfung der Handwerkerleistung mit dem Haushalt reicht aus, um die Förderung nach § 35a EStG zu erhalten. Ein derartiges Verständnis ginge weit über den Wortlaut der Vorschrift hinaus. Wo die begünstigte Tätigkeit geleistet würde, würde dann nur noch eine geringe Rolle spielen bzw. sogar eine Abkehr vom räumlich-funktionalen Verständnis des Bundesfinanzhofes bedeuten. Allein die Benutzung eines – wie im Streitfall – außerhalb des Haushalts angefertigten Haushaltsgegenstandes in einem Haushalt kann daher zur Begründung eines räumlich-funktionalen Zusammenhangs nicht ausreichen. Dabei ist auch der in der Gesetzesbegründung umschriebene Förderzweck des § 35a EStG mit in den Blick zu nehmen, der sich auf die Bekämpfung der Schwarzarbeit im Bereich von Dienstleistungen, die im Privathaushalt erbracht werden, beschränkt.

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